Sicht des Empfängers
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Das 4-Ohren-Modell
Was die menschliche Kommunikation so schwierig macht, ist hauptsächlich, dass der Empfänger auswählen kann, auf welchen Aspekt der Nachricht er antworten will. Diese grundsätzliche "freie Auswahl" führt unweigerlich zu Störungen, wenn der Empfänger z.B. auf einen Aspekt reagiert, den der Sender vielleicht gar nicht betonen wollte.
Ganz besonders konfliktträchtig ist es, wenn der Empfänger ständig eine einseitige Auswahl vornimmt, etwa immer nur den Sachverhalt wahrnimmt, auf ihn reagiert, jedoch den Appell, die Beziehung und die Selbstdarstellung ignoriert.
Beleuchten wir unser Beispiel aus der Sicht des Empfängers:
Je nachdem, auf welchen Aspekt der Empfänger besonders hört, ist seine Empfangstätigkeit eine andere:
- Den Sachinhalt sucht er zu verstehen.
- Durch die Beziehungsseite ist der Empfänger persönlich besonders betroffen. ("Wie steht der Sender zu mir, was hält er/sie von mir, wen glaubt er/sie vor sich zu haben, wie fühle ich mich behandelt und wertgeschätzt?").
- Sobald er die Nachricht auf die Selbstoffenbarungsseite hin "abklopft", ist er personaldiagnostisch tätig ("Was ist das für eine/r?"; bzw. "Was ist im Augenblick mit ihm/ihr los?").
- Die Auswertung der Appellseite schließlich geschieht unter der Fragestellung "Wo will er/sie mich hinhaben?" bzw. in Hinblick auf die Informationsnutzung ("Was sollte ich am besten tun, nachdem ich dies nun weiß?").
Je nachdem, welches seiner "vier" Ohren der Empfänger gerade vorrangig auf Empfang geschaltet hat, nimmt das Gespräch einen sehr unterschiedlichen Verlauf.
Häufig ist dem Empfänger gar nicht bewusst, dass er/sie einige Ohren abgeschaltet hat und dadurch die Weichen für das zwischenmenschliche Geschehen stellt.
An unserem Beispiel
Noch einmal zurück zu unserem Auto-Beispiel: "Du, da vorne ist grün", hatte der Mann gesagt.
Die Sachebene
Hätte seine Frau zu dem Zeitpunkt nur mit dem Sachohr gehört, hätte die Antwort lauten können:
Die Beziehungsebene
Bei vielen Empfängern ist dieses Ohr besonders groß und überempfindlich, so auch bei der Frau am Steuer in unserem Beispiel.
Diese Antwort ist uns ja bekannt: "Fahre ich oder fährst Du?"
Mit anderen Worten: "Du traust mir nicht einmal zu, dass ich richtig Auto fahren kann" oder "Wenn dir nicht passt, wie ich fahre, dann fahre du doch das nächste Mal."
Die Selbstoffenbarungsebene
Verglichen mit dem überempfindlichen "Beziehungs-Ohr" wäre es seelisch gesünder, ein gut gewaschenes "Selbstoffenbarungs-Ohr" zu haben, welches die Nachricht unter dem Aspekt aufnimmt "Was sagt mir die Person über sich?". Dieses Ohr ist diagnostisch tätig. Was ist mit dem Gegenüber los, welche Gefühle oder Motive sind mit der Äußerung verbunden?
Hätte sie also nur mit dem "Selbstoffenbarungs-Ohr" gehört, hätte sie geantwortet:
Die Appellebene
Mit dem "Appell-Ohr" hört man sehr deutlich die unausgesprochenen Wünsche und Erwartungen des Senders.
Hätte die Frau am Steuer nur mit diesem Ohr gehört, wäre die Antwort vermutlich gewesen:
Dieses Ohr ist überhaupt empfänglich für den "Druck", der sich mit einer Äußerung verbinden und/oder unter den sich der Empfänger gesetzt fühlen kann.
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