Redaktionelle Arbeit in Betriebszeitungsredaktionen
Aus WIGBIT
Da eine professionell gestaltete Zeitung viel Arbeit macht, wird die Arbeit am besten im Team erledigt. Ist die Entscheidung gefallen, eine eigene Zeitung herauszugeben, wird zuerst das zukünftige Redaktionsteam zusammen getrommelt.
Die erste Aufgabe der Redaktion ist es folgende Eckpunkte des neuen Mediums festzulegen, sofern die Entscheidungen nicht schon im Vorfeld getroffen wurden:
- Ziele,
- Auflage,
- Frequenz und
- Umfang.
Es ist auf jeden Fall ratsam, bei dieser Gelegenheit auch zu überlegen, was andere KollegInnen, die (noch) nicht Mitglieder des Redaktionsteams sind, beitragen könnten und diese bei Interesse als „freie MitarbeiterInnen“ der Redaktion zu engagieren. Fast überall gibt es nämlich Menschen, die gerne schreiben und/oder fotografieren und so wichtige Beiträge für die Zeitung liefern können.
Je mehr Aufgaben auf viele Schultern verteilt werden, umso eher gelingt eine interessante und lesenswerte Zeitung. Dadurch wächst aber der Koordinationsbedarf.
Daher spricht vieles für den Grundsatz:
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Zeitplan
Hat sich das Team der ZeitungsmacherInnen einmal formiert, wird ein Zeitplan erstellt. Dabei rechnet man vom geplanten Erscheinungszeitpunkt rückwärts.
Beispiel für den Zeitplan einer Betriebszeitung
6 Wochen vor Erscheinen der Zeitung Erste Redaktionssitzung: Festlegen und Aufteilen der Themen
6 Wochen bis 3 Wochen vorher Recherchieren und Schreiben von Artikeln
3 Wochen vorher Redaktionsschluss/Zweite Redaktionssitzung: Besprechen der gesammelten Artikel, Erstellen eines Satzspiegels, feststellen was noch fehlt.
3 Wochen vorher bis Drucktermin Layouten
1 Woche vor Drucktermin Dritte Redaktionssitzung: Endkontrolle
Bei der ersten Ausgabe sollte man jedenfalls den Zeitrahmen großzügiger setzen, da viele Dinge mit zunehmender Routine schneller gehen. Der Zeitplan wird außerdem auch davon abhängen,
- welchen Umfang die Zeitung hat,
- wie viele Leute an ihr arbeiten und
- wie und wo sie gedruckt wird.
Sehr oft wird der Arbeitsaufwand für eine Zeitung am Anfang viel zu niedrig eingeschätzt und die Erwartungen zu hoch geschraubt. Die Folge ist, dass viele Betriebszeitungsprojekte mit sehr viel Elan begonnen werden und dann wieder einschlafen. Ist man sich noch nicht sicher, wie viel Zeit das Gestalten der Zeitung wirklich in Anspruch nehmen wird, sollte man lieber klein anfangen. Ein Vierseiter, der im Dreimonatsabstand erscheint, ist ein guter Anfang. Im Zweifelsfall geht Qualität vor Quantität.
Verlauf einer Redaktionssitzung
In der Regel sind drei Treffen der Redaktion erforderlich.
Details:
- Inhalte der neuen Ausgabe planen
Welche aktuellen Themen sollen vorkommen? Gibt es zu dem jeweiligen Thema einen Artikel in einem anderen Medium? Welche fixen Rubriken müssen berücksichtigt werden?
- Arbeitsaufgaben verteilen
Wer schreibt/recherchiert was? Nicht immer müssen alle Artikel von einem Mitglied des Redaktionsteams geschrieben werden. Vielleicht gibt es zu dem einen oder anderen Thema einen Experten/eine Expertin, der/die sich interviewen lässt, oder bereit ist einen Betrag zu verfassen.
- Arbeitsschritte festlegen
Üblicherweise wird ein Terminplan mit Abgabeterminen erstellt.
- Kritik an der letzten Ausgabe
Was ist gut gelaufen? Was soll diesmal besser werden? Illustrationen besorgen. Welche Bilder stehen zur Verfügung? Wer kann Bilder beschaffen?
Details:
- Fertige Artikel sichten und diskutieren
Sind alle Manuskripte eingelangt? Variiert die Länge der Texte? Jeder Beitrag wird besprochen, unter Umständen erhält der/die VerfasserIn Anregungen, ihn zu kürzen oder zu überarbeiten.
- Beiträge gewichten
Welches Thema kommt als „Aufmacher“ an den Anfang? Wie kann man die Beiträge reihen? Eine Seite muss nicht immer nur mit einer Geschichte gefüllt werden. Jedoch sollten maximal drei Elemente auf einer Seite sein. Es macht Sinn „Füllmaterial“ zur Verfügung zu haben, für den Fall, dass einzelne Beiträge nicht rechtzeitig fertig werden.
Details: Formale Gestaltung festlegen (Endkontrolle) Vielfach bewährt sich eine Zusammenarbeit zwischen schreibenden und gestaltenden Redakteuren. Bleibt es bei Textlängen, Aufmacher? Reicht der Platz für alle Beiträge? (Nicht auf Fotos verzichten!)
Artikel-Überschrift und Unterzeile formulieren Auswahl der Illustrationen (Stimmt das Verhältnis zwischen Text und Illustration?). Stimmen die Bildunterschriften? Wie kann das Layout aussehen?
Checkliste für das Redaktionsteam
- Kritik und Lob an der vorangegangenen Ausgabe
- Themenplan für die nächste Ausgabe
- Wer aus der Redaktion schreibt welchen Beitrag, in welchem Umfang, wer beauftragt welchen Außenstehenden?
- Was wird Aufmacher, Interview, Nachricht, Porträt?
- Wurden alle Rubriken berücksichtigt?
- Abgabetermine
- Sind alle Manuskripte eingelangt?
- Variiert die Länge der Texte?
- Bleibt es bei Textlängen, Aufmacher?
- Reicht der Platz für alle Beiträge? (Nicht auf Fotos verzichten!)
- Artikel redigieren, kürzen, ergänzen; Überschrift und Unterzeile formulieren
- Ist für Ersatz gesorgt worden, falls Artikel nicht rechtzeitig eintreffen sollten?
- Auswahl der Illustrationen (Stimmt das Verhältnis zwischen Text und Illustration?)
- Stimmen die Bildunterschriften?
- Gespräch über das Layout
Kontinuität
Obwohl sich ihre MacherInnen engagiert zeigen, werden viele gewerkschaftliche Betriebszeitungsprojekte nach kurzer Zeit wieder eingestellt oder entwickeln sich zu einer "Ein-Personen-Show". Wenn die Arbeit aber verbindlich auf mehrere Schultern verteilt wird und die Redaktion betriebliche Informationsdefizite schließen kann, dann wird sie der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit wichtige Impulse vermitteln.
Titelseite
Die erste Seite sollte nicht mit Informationen und Illustrationen "überladen" werden. Besser ist es, sie enthält
- ein Inhaltsverzeichnis,
- den Beginn eines wichtigen Artikels
- und/oder die wesentlichen Themen der Ausgabe mit Kurzinformationen
- ein Titelbild oder eine Titelgraphik.
Inhaltsplanung und Themenfindung
siehe Themen für Zeitungen und Websites finden
Redaktionelle Vielfalt
In der Zeitung finden sich verschiedene journalistische Stilformen (wie z.B. Interviews, Kommentare, Reportagen, LeserInnenforen) wieder.
