Ran an die Leute
Aus WIGBIT
Das Ziel eines Mitglieder-Werbegesprächs ist nicht unbedingt die Unterschrift auf der Mitgliedsanmeldung, sondern einfach nur einen guten Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht regt das Gespräch einen Denkprozess an, und wenn die Argumente gut gewählt waren, wird dein/e GesprächspartnerIn irgendwann in nächster Zeit Mitglied.
Wie findest du aber die richtigen Argumente? Dieses Kapitel gibt Anregungen, wie du die bereits erarbeiteten Inhalte für ein Gespräch zur Mitgliedergewinnung nutzen kannst.
Inhaltsverzeichnis |
Ran an die Leute mit Rapport
Rapport aufzubauen, ist Ziel eines jeden Gesprächs – willst du dein Gegenüber von etwas überzeugen, wird es aber umso wichtiger.
Neben den Methoden des Pacings kann man auch inhaltlichen Rapport zum Thema „Gewerkschaft" aufbauen.
- Wie steht mein Gegenüber zur Gewerkschaft?
- Welche Erfahrungen hat mein/e GesprächspartnerIn bereits mit der Gewerkschaft gemacht?
Achtung:
Nicht Verständnis vorheucheln, sondern wirklich in seine/ihre Landkarte eintreten und die Welt aus seinen/ihren Augen betrachten – denn nur dann funktioniert der Rapport auch. Für guten Rapport muss man nicht einer Meinung sein, sondern an der Meinung der anderen interessiert sein.
Hier kannst du noch mal dein Wissen zum Thema "Rapport" auffrischen.
Ran an die Leute mit VAKOG
Du weißt ja bereits, dass Menschen unterschiedliche Repräsentationssysteme bevorzugen. Dies drückt sich zum Beispiel in ihrer Sprache aus. Ist der richtige Repräsentationskanal entdeckt, kannst du sprachlich auf dein Gegenüber eingehen und so den Rapport verstärken.
Man kann auch die Rahmenbedingungen bewusst nach VAKOG gestalten, um jeden und jede anzusprechen.
Und so setzt du VAKOG bei Straßenaktionen ein:
- Visuell ansprechen:
gut sichtbar platzieren, Signalfarben einsetzen, ein Erkennungsmerkmal verwenden (z.B. Logos, Plakate) - Auditiv ansprechen:
Musik spielen, Pfeiferl verteilen, Sprechchöre anregen - Kinästhetisch ansprechen:
Gefühle erzeugen – Bezug zu den Leuten herstellen (Was hat das mit mir zu tun?), spaßige Give-aways - Olfaktorisch ansprechen:
Kaffeegeruch lädt zum gemütlichen Sitzenbleiben ein - Gustatorisch ansprechen:
Verpflegung, Zuckerl als Give-away
Und so setzt du VAKOG bei Werbegesprächen ein:
- Visuell ansprechen:
Folder als Unterstützung - Auditiv ansprechen:
eventuell ruhiges Plätzchen suchen - Kinästhetisch ansprechen:
Wohlfühlatmosphäre schaffen – Fragen, was mein Gegenüber will! Wie geht es dir damit? Bezug herstellen - Olfaktorisch* ansprechen:
gute Luft, Kaffeegeruch - Gustatorisch* ansprechen:
Verpflegung
Hier kannst du noch mal das Kapitel "VAKOG" wiederholen.
Ran an die Leute auf der Werteebene
Was ist meinem Gegenüber wichtig? Das ist die zentrale Frage jedes Überzeugungsgesprächs. Ein Argument, das richtig zieht, ist viel wichtiger als 10 Argumente, zu denen mein Gegenüber keinen Bezug hat.
Tipp:
Finde deshalb heraus, was deinem Gesprächspartner bzw. deiner Gesprächspartnerin besonders wichtig ist. Und wie? Durch Fragen, Fragen, Fragen …
Mögliche Fragen sind:
- Was gefällt Ihnen an Ihrer derzeitigen Arbeit?
Was ist nicht so toll und was hätten Sie noch gerne? - Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?
- Welche Arbeitsbedingungen brauchen Sie, um motiviert arbeiten zu können?
- Was halten Sie von der Gewerkschaft?
Haben Sie schon Erfahrungen mit der Gewerkschaft gemacht?
Welche? - Was sollte die Gewerkschaft Ihrer Meinung nach für Sie tun?
Erst, wenn klar ist, welche Werte und Kriterien dein Gegenüber hat, kannst du das richtige Argument für ihn/sie aus dem Hut zaubern. „Es gibt vieles, für das es sich lohnt organisiert zu sein“ ist ein Werbeslogan der GPA/DJP – aber: nicht alles ist für alle im Augenblick relevant.
Hier kannst du das Wissen über "Werte und Kriterien" noch mal auffrischen.
Ran an die Leute mit Metaprogrammen
Du solltest herausfinden, wie dein Gegenüber tickt. Nicht alle Argumente wirken auf alle Menschen gleich gut. Metaprogramme können uns Aufschluss über die Landkarte meines/meiner GesprächspartnerIn geben.
Hier kannst du das Kapitel "Metaprogramme" noch einmal wiederholen.
"Hin-zu"- und "Weg-von"-Typen
Argumente für "Hin-zu"-Typen
- Mehr Mitglieder machen die Gewerkschaft stark, damit sie neue Forderungen durchsetzen kann, wie zum Beispiel die Absicherung der atypisch Beschäftigten.
- Eine Mitgliedschaft verschafft Ihnen auch Zugang zu verbilligten Urlaubsangeboten und Kulturveranstaltungen.
Argumente für "Weg-von"-Typen
- Ohne Kollektivvertrag gäbe es kein Urlaubsgeld, keine Mindestlöhne, keine Gehaltserhöhungen.
- Die Gewerkschaft ist eine wichtige ArbeitnehmerInnenlobby in Zeiten der Globalisierung und des Neoliberalismus.
Innerer und äußerer Bezugsrahmen
Argumente für inneren Bezugsrahmen
- Sie können ruhigen Gewissens feststellen, dass Sie Ihren Beitrag für eine starke Arbeitnehmervertretung in Österreich leisten.
- Wollen Sie dafür mitverantwortlich sein, dass die VerhandlerInnen Ihres Kollektivvertrags gegenüber den ArbeitgeberInnen wenig ausrichten können?
Argumente für äußeren Bezugsrahmen
- Wenn Sie der Gewerkschaft beitreten, gehören Sie zu jenen ArbeitnehmerInnen, die sich um das Wohl aller ArbeitnehmerInnen sorgen.
- Sie tragen dazu bei, dass Errungenschaften wie 13. und 14. Monatsgehalt, Mindestlöhne und Gehaltserhöhungen auch weiterhin für die meisten ArbeitnehmerInnen gültig sind.
Wahrnehmung von Notwendigkeiten bzw. Möglichkeiten
Notwendigkeitsargumente
- Sollten Sie einmal Rechtshilfe brauchen, können Sie sich an den ÖGB wenden.
- Die Gewerkschaften sind notwendig, um soziale Standards zu erhalten.
- Was ist die Höhe des Gewerkschaftsbeitrags im Vergleich zum Verlust Ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes?
- Bei einer geringeren Mitgliederzahl kann die Gewerkschaft nicht garantieren, alle Leistungen auch weiterhin anbieten zu können.
Möglichkeitsargumente
- ArbeitgeberInnen organisieren sich, wir ArbeitnehmerInnen sollten also ebenfalls die Chance nutzen und uns zu einer starken Organisation zusammenschließen.
- Wenn Sie das Thema interessiert, können wir Sie gern in unsere Betriebsratsarbeit einbinden.
- Der ÖGB bietet Ihnen verbilligte Urlaube und sonstige Freizeitaktivitäten.
Wahrnehmung von Allgemeinem bzw. Spezifischem
Argumente in großen "chunks" (Allgemeines)
- Nur viele Mitglieder machen die Gewerkschaft verhandlungsstark.
- Nur eine starke Gewerkschaft kann soziale Standards sichern und den Ausbau von Sozialleistungen vorantreiben.
Argumente in kleinen "chunks" (Spezifisches)
- Krankengeld, Kollektivlöhne, Urlaub, Abfertigung, 13. und 14. Monatsgehalt, all das sind Dinge, die die Gewerkschaft erhalten will.
- Ein schlechter Kollektivvertrag hat ganz konkrete Auswirkungen auf Ihren Arbeitsalltag: vielleicht ein Arbeitszeitmodell, das Ihnen gar nicht entgegenkommt, oder ein niedriger Kollektivvertragslohn.
Frage der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)
Argumente nach Zeittypen
- Vergangenheit:
- Unsere Urgroßväter und Urgroßmütter mussten sich an geheimen Orten versammeln, um für unsere Rechte zu kämpfen. Wenn wir uns nicht organisieren, könnten wir viele dieser schwer erworbenen Rechte auch wieder verlieren.
- Unsere Urgroßväter und Urgroßmütter mussten sich an geheimen Orten versammeln, um für unsere Rechte zu kämpfen. Wenn wir uns nicht organisieren, könnten wir viele dieser schwer erworbenen Rechte auch wieder verlieren.
- Gegenwart:
- Der ÖGB sorgt unter anderem dafür, dass Sie diesen Monat Ihr Urlaubsgeld bekommen und Sie sich einen schönen Urlaub mit der Familie leisten können. Ihr Beitrag hilft uns, Ihnen das auch weiterhin zu sichern.
- Der ÖGB sorgt unter anderem dafür, dass Sie diesen Monat Ihr Urlaubsgeld bekommen und Sie sich einen schönen Urlaub mit der Familie leisten können. Ihr Beitrag hilft uns, Ihnen das auch weiterhin zu sichern.
- Zukunft:
- Wer weiß, ob es Ihnen immer so gut geht in Ihrem Job – vielleicht brauchen Sie einmal arbeitsrechtliche Beratung oder gar Vertretung. Der ÖGB übernimmt das kostenlos für Sie.

