Phasen von Mobbing
Aus WIGBIT
Der schwedische Arbeitspsychologe Heinz Leymann hat nach langer Untersuchung festgestellt, dass sich typische Verläufe während der Mobbinghandlungen erkennen lassen.
Es stellt zudem eine Orientierungshilfe dar um zu erkennen, was im Verlauf von Mobbing auf die Betroffenen zukommen kann. Das Phasenmodell unterscheidet in jeder Phase zwischen der betrieblichen und der persönlichen Ebene.
Das Phasenmodell zeichnet den extremen Leidensweg von Mobbingopfern nach und geht damit weit über das eigentliche Mobben, nämlich den Psychoterror am Arbeitsplatz hinaus.
Zu beachten ist, dass nicht jeder Mobbingfall in der Reihenfolge des Modells ablaufen muss. Manche Betroffene halten das Mobbing nicht lange aus und kündigen sofort. Wieder andere werden zwar lange Zeit gemobbt, dennoch gibt es keine Übergriffe von der Personalverwaltung. Die aufgelisteten Handlungen sind sozusagen nur mögliche Bausteine des Mobbings, jedoch sind keinesfalls alle Handlungsmöglichkeiten enthalten.
Inhaltsverzeichnis |
Phase 1 - Konflikte in der Organisation
- Betriebliche Ebene:
Hier kommt es zu ersten Konflikten innerhalb des Betriebs. Eine schlechte Arbeitsorganisation und ständige Umstrukturierungen im Betrieb begünstigen das Auftreten von Konflikten. Der Konflikt kann durch einzelne Unverschämtheiten und Gemeinheiten ausgelöst werden, wird jedoch mit der Zeit immer systematischer.
- Persönliche Ebene:
Es machen sich die ersten Stress-Symptome bemerkbar. Die Bewältigung erfolgt individuell: entweder die Betroffenen machen ein Versöhnungsangebot, ignorieren die Handlungen oder bearbeiten den Konflikt.
Phase 2 - Mobbing und Psychoterror
- Betriebliche Ebene:
Es kommt gezielt zu Mobbing und Psychoterror. Typische Mobbinghandlungen wie z.B. Kommunikationsverweigerung, Isolation, Beleidigung etc. werden eingesetzt. Die Handlungen konzentrieren sich auf eine einzelne Person. Aus einer Auseinandersetzung entsteht eine Situation, in der der/die Betroffene als "Störenfried" oder "Querulant" gesehen wird, der den Betriebsfrieden und den Arbeitsablauf stört. Der Konflikt eskaliert. Der/die Betroffene unterliegt dem/der Mobber/in und findet in der beruflichen Umgebung keine Hilfe mehr.
- Persönliche Ebene:
Bei der betroffenen Person kommt es zu Angst, Verwirrung, Selbstzweifeln, psychosomatischen Störungen und zu einer Zunahme der Isolierung.
Phase 3 - Die Betriebs-/Personalleitung reagiert
- Betriebliche Ebene:
Es kommt zum Eingreifen seitens der Betriebs-/Personalleitung. In dieser Phase wird zum ersten Mal "offiziell" der Betriebsrat bzw. die Personalleitung informiert. Die Vorgesetzten versuchen durch Versetzung, Abmahnung, Drohungen, Abqualifizierung oder Kündigungsversuchen den Betroffenen und seine Situation "in den Griff zu bekommen" - leider jedoch mit den falschen Mitteln. Der/die Gemobbte erlebt diese Handlungen als starke Angriffe und Kränkungen und reagiert darauf entweder mit Hilflosigkeit oder sie verstärken seine/ihre aggressiven Abwehrreaktionen. Dadurch verschlimmert sich nur das Verhältnis zwischen allen Beteiligten. Der/die MobberIn führt seine Mobbinghandlungen so lange gegen seine/n Kollegen/in fort, bis der/die Betroffene entweder durch ständige Krankheit oder Kündigung des Arbeitgebers bzw. Selbstkündigung "beseitigt" ist.
- Persönliche Ebene:
Die Betroffenen kämpfen mit stärkeren psychosomatischen Störungen, leiden an Erschöpfung und Beschwerden. Entweder es kommt zu einem Rückzug oder zu einer Auflehnung gegen die Mobbing-Handlungen.
Phase 4 - Der soziale Abstieg beginnt
- Betriebliche Ebene:
Es kommt zu einer dramatischen Zuspitzung der Situation. Der/die Betroffene fühlt sich den beruflichen und sozialen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Eine Weiterbeschäftigung am derzeitigen Arbeitsplatz ist nicht mehr möglich. Spätestens in dieser Phase muss sich die Betriebs-/Personalleitung mit der/dem Betroffenen auseinandersetzen. Das Ziel des Arbeitgebers besteht darin, den Betriebsfrieden wieder herzustellen. Dabei wird aber oft die Frage ausgeblendet, wie der/die Betroffene in diese Lage gekommen ist. Die betroffene Person wird aus der Arbeitswelt ausgeschlossen. Dies kann entweder durch Versetzung in eine andere Abteilung, Kündigung oder Eigenkündigung, einvernehmliche Lösungen, vorzeitige Alterspension usw. geschehen.
- Persönliche Ebene:
Die betroffenen Personen sind völlig verzweifelt und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes lässt sie oft zu heftigen Gegenattacken (z.B. Wutausbrüchen) greifen. Der/die Betroffene ist von einer generellen Verunsicherung, Misstrauen, tiefer Verzweiflung und posttraumatischen Stress-Syndrom geprägt. Die gesundheitliche Situation der/des Betroffenen verschlechtert sich massiv. Häufig kommt es zu Selbstmordgedanken oder auch zu Selbstmordversuchen.
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