Moderationskompetenz und -methodik

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Bild:Methodische_kompetenzcopy.gif

Kommen wir zum wichtigsten Teil der Moderation: "Die methodische Kompetenz", also das Beherrschen der einzelnen Techniken, um das Veranstaltungsziel zu erreichen. Und hier ist auch schon das erste Stichwort gefallen: "Ziel. Was ist das Ziel der Moderation?"

Inhaltsverzeichnis

Das Moderationsziel

Ziele sind stets prozessorientiert zu erreichen. Doch um Ziele zu erreichen, müssen sie zunächst formuliert werden. So ist es wichtig, die Frage nach dem "Was will ich erreichen" zu stellen und nicht sofort nach dem "Wie will ich es erreichen" zu fragen.

Die Zielformulierung der gesamten Moderation - oder auch von Teilzielen während der Veranstaltung - muss folgenden Kriterien entsprechen, um realisierbar zu sein:

Die Ziele sollen
  • positiv
  • konkret
  • attraktiv
formuliert werden.

Positiv bedeutet: auf etwas ausgerichtet sein, der Moderator muss sagen, in welche Richtung er will, etwas Konkretes bejahen. Es ist förderlich zu beschreiben, was er konkret erreichen will, und nicht das, was er nicht will. Wenn man z.B. vor einer Gruppe steht und sich vornimmt: "Ich will nicht nervös sein und keine feuchten Hände bekommen", dann wird genau das eintreten. Die Gedanken gehen genau in diese Richtung, ich werde nervös sein und feuchte Hände bekommen. Die Zielsetzung soll aber dazu dienen zu aktivieren. Wirksamer wird es sein, wenn der Moderator als Ziel formuliert: "Beim freien Sprechen: Ich bin ruhig und werde trockene Hände haben".

Übung zur Zielformulierung

Um ein Ziel für den Inhalt herauszufinden, der dir im Moment wichtig ist, kann folgende Übung genutzt werden:

Schreib zunächst in Form eines Brainsstormings alle Ideen und Gedanken auf. Nimm dir drei Minuten Zeit.

  • Wie ist die derzeitige Situation?
  • Was will ich verändern?

Formuliere nun anschließend aus diesen Wünschen und Ideen ein Ziel:

  • Was ist mir wichtig?
  • Was will ich erreichen?

Achte darauf, dass das Ziel positiv formuliert ist!

Visualisierung

Informationsaufnahme erfolgt im Durchschnitt zu rund

  • 80 Prozent über die Augen.
  • 15 Prozent über die Ohren.
  • 5 Prozent über andere Sinnesorgane.

Andererseits, der Mensch merkt sich ca.

  • 10 Prozent von dem, was er liest oder hört.
  • 30 Prozent von dem, was er sieht.
  • 50 Prozent von dem, was er sieht und hört.
  • 90 Prozent von dem, was er selber macht.

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Der Teilnehmer und die Teilnehmerin behält mehr, wenn er oder sie Wesentliches nicht nur hört, sondern auch sieht. Es heißt: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte". Begriffe gehören auch "visualisiert". Moderation und Visualisierung - also die bildhafte Darstellung des Gesagten, des Erarbeiteten - sind nicht voneinander zu trennen.

Visualisierungs-Techniken

Eine Übersicht über die Visualisierungs-Techniken und ihre Einsatzmöglichkeiten:

  • Gedrucktes Material:
    Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben etwas in der Hand
  • Tafel, White Board:
    um Anregungen aus der Gruppe unmittelbar aufzugreifen
  • Flipchart, Packpapier:
    um Inhalte vorzustrukturieren oder dauerhaft zu präsentieren. Es kann leicht vorgezeichnet werden und die Blätter sind nachher als Poster verwendbar
  • Pinnwand:
    um Ideen vor den Augen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu sammeln, zu ordnen oder zu gewichten
  • Tageslicht-Projektor:
    um größere Textmengen mit geringem Aufwand zu visualisieren
  • Computergestützte Präsentation:
    um möglichst kleinschrittig zu visualisieren oder um multimedial (Bilder, Videos und Audios) zu präsentieren. Anwendbar nur in Einzelfällen.
  • Karten:
    Visualisierung des Wissens in den Köpfen der Menschen auf Karten.


Vorteile der Visualisierung:

  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in ihrer Konzentration nicht dadurch eingeschränkt, dass sie sich alle Argumente und Ergebnisse merken müssen.
  • Deswegen können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer voll auf die aktuelle Diskussion einlassen.
  • Erklärungen und Wiederholungen erübrigen sich, es wird ja alles durch die Visualisierung dokumentiert.
  • Im Ergebnis verbessert die Visualisierung die Übersichtlichkeit und dient dabei auch noch der Erhöhung der Aufnahmekapazität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
  • Wesentliches lässt sich leichter von Unwesentlichem trennen. Dies spielt für die Merkfähigkeit eine wichtige Rolle.
  • Verbal schwierig Erklärbares kann optisch häufig einfacher dargestellt werden.
  • Das sofortige Festhalten von Aussagen und Ergebnissen entlastet und macht Arbeitsschritte kontrollierbar.
  • Die Identifikation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Produkt wird erhöht.

Kartenabfrage

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Was für Karten gibt es?

  • Rechteckkarten für einzelne Aussagen und Themenaspekte.
  • Runde Kullern für Betonungen und Kommentare

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  • Ovale Kullern, Gegenpole klärend nebeneinander stellen
  • Wolken und Streifen für Überschriften
  • Selbstklebepunkte für Punktfrage und Bewertung
  • Konfliktpfeile kennzeichnen strittige Punkte


Was ist das Ziel der Kartenabfrage?

Bei der Kartenabfrage ist das Ziel die Sammlung, die Ordnung und Gewichtung von Wissen, Ideen, Problemen und auch deren Lösungsansätzen, Fragen oder Themen von mehreren Personen innerhalb kurzer Zeit. Kurzum: mit Karten werden Inputs gesammelt. Das gesammelte Wissen wird dann in eine Logik gebracht. Das mit der "Logik" schauen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt an.

Die Beantwortung von Fragestellungen mit Hilfe von Karten ermöglicht die Erfassung eines breiten Spektrums von Sachwissen und Meinungen unter Einbeziehung der gesamten Gruppe, also aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Wie wird nun konkret bei der Kartenabfrage vorgegangen?

1. Der Gruppe wird vom Moderator eine Frage gestellt, die in Stichwörtern beantwortbar sein sollte.

2. Als Arbeitsmittel werden Karten und Filzstifte verteilt.

3. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschreiben eine beliebige und auch vorgegebene Anzahl von Karten. Ein Gedanke pro Karte! Beschrieben werden die Karten mit großen deutlich lesbaren Druckbuchstaben. Sinnvoll ist auch: Nicht mehr als drei Zeilen bei max. sieben Begriffen.

4. Die Karten werden in Druckschrift geschrieben. Weitestgehend versuchen, eine blockartiges Schriftbild zu erzeugen: Eng aneinander geschriebene Buchstaben, kurze Ober- und Unterlängen.

5. Nachdem die Karten beschrieben worden sind, werden sie eingesammelt. Die Karten können auch durchaus verdeckt eingesammelt und gemischt werden, um die Anonymität zu gewährleisten.

6. Die Karten werden vom Moderator vorgelesen und unter Konsensbildung der Gruppe zu "Clustern" mit ähnlichem oder gleichem Inhalt/Thema zusammengefasst. Diese "Cluster" erhalten eine passende Überschrift.

So wird das ganze Spektrum der Antworten transparent gemacht. Mehrfachnennungen werden sichtbar und verdeutlichen die Wichtigkeit eines gewissen Problems.

Fragetechnik

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Wir kennen zwar jetzt die Instrumente, die man so für eine Visualisierung braucht. Das heißt, wir visualisieren das, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeitet, gesagt haben.

Wir müssen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Fragen stellen. Durch eine überlegte Art des Stellens von Fragen wird der Moderationsablauf erfolgreich.

Aufgabe des Moderators ist:

  • Diskussionen möglichst lange offen zu gestalten. Es muss das Problembewusstsein geschärft werden
  • und die Kreativität bei der Lösungsfindung gefördert werden.

Um das zu erreichen, gibt es das bewährte Hilfsmittel der Fragetechnik. Sie ist neben der Visualisierung eine zentrale Methode der Moderation.

Fragen können:

  • Diskussionen eröffnen. Sie dürfen aber nicht eine feste Vorgabe für die Lösung geben. Die Gruppe, also die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, muss die Antworten selbst finden.
  • Dem einzelnen die Möglichkeit geben, sein Wissen einzubringen.
  • Dem einzelnen die Möglichkeit geben zu ergänzen.

Frageformen

Der Moderator kann nicht zu jedem Thema inhaltlicher Experte sein. Seine Aufgabe ist deshalb auch nicht, aus einer Aussage- oder Antwortgebung heraus zu bewältigen, sondern aus einer Frage-Haltung.

Bevor der Moderator an die konkrete Formulierung der Frage herangeht, muss er sich über die genaue Zielsetzung der gesamten Veranstaltung wie des einzelnen Moderationsschrittes und der Frage im Klaren sein.

Was will er erreichen? Z.B.:

  • Dass die Gruppe Themen sammelt.
  • Oder: Soll die Gruppe neue Ideen und Lösungsansätze erarbeiten?
Deshalb ist es für den Moderator elementar, die wichtigsten Fragearten zu beherrschen: Prinzipiell gilt: Schlecht sind alle Fragen, die durch ihre Formulierung die Gruppe in eine bestimmte inhaltliche Position drängen. Gut hingegen: alle Fragen, die der Gruppe einen tatsächlichen Handlungsspielraum einräumen.

Die wichtigsten Frageformen sind:

  • Offene Frage

Dies ist die zentrale Frageform in der Moderation. Verschiedene Antworten werden zugelassen. Der Gefragte kann frei formulieren. Meistens beginnen solche Fragen mit einem Fragewort. Deshalb werden diese Fragen auch W-Fragen genannt: Wer, Was, Wie, Welche, Wozu....? Z.B.: "Welches Thema wollen wir heute bearbeiten?" "Was bedeutet `Destabilisierung der Mitbestimmung´?"

  • Rhetorische Frage

Diese Frage beantwortet sich von alleine. Die Frage wird gestellt, ohne eine Antwort zu erwarten. Diese Frageform ist für Moderation nicht geeignet. Z.B.: "Wie lange wollen wir noch bei diesem Thema bleiben?...Können wir...."

  • Geschlossene Frage

Diese Fragen können nur mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden. Solche Fragen sind bei inhaltlichen Fragestellungen nicht von Relevanz. Die geschlossene Frage ist zur Strukturierung der Arbeit sehr hilfreich. Z.B.: "Können wir jetzt zum nächsten Thema übergehen?" "Sind alle damit einverstanden?

  • Gegenfrage

Jede Frage hat Aufforderungscharakter. Fragen erfordern eine Antwort. Die Möglichkeit, diesem Druck zu entkommen, ist eine Gegenfrage. Die gestellte Frage wird mit einer Frage beantwortet. Dies sollte nicht zu oft angewandt werden, da es provozierend wirken kann. Z.B.: Frage: "Wann gehen wir endlich weiter?" - "Warum fragen Sie?

  • Suggestivfrage

Mit so einer Frage wird der Gefragte manipulativ zur Zustimmung bewegt. Auch diese Fragetechnik ist für die Moderation ungeeignet. Z.B.: "Sicherlich stimmen mir jetzt alle zu, dass wir endlich zum nächsten Thema gehen sollten?"

  • Zurückgegebene Frage

Das ist eine spezifische Art mit Fragen umzugehen, weniger eine eigene Frageform. In der Moderation spielt sie eine große Rolle. Eine inhaltliche Frage gibt der Moderator an die Gesamtgruppe weiter. Z.B.: Frage: "Gibt es hier keine normativen Regelungen?" - "Was meinen die anderen?"

  • Alternativfrage

Diese Frageart bietet sich an, wenn eine Entscheidung zwischen zwei Alternativen gefällt werden soll. Der Moderator muss beim Einsatz dieser Fragetechnik besonders acht geben, da möglicherweise die Gruppe in zwei Lager gespalten werden kann. Z.B.: "Sollen wir dieses Thema noch weiter behandeln oder können wir zum nächsten Thema gehen?"

Gute Fragen, schlechte Fragen

Gute Fragen:

  • Offene Frage
  • Fragen, die eine differenzierende Antwort ermöglichen
  • Fragen, die zur Beantwortung reizen
  • Verständliche Fragen

Schlechte Fragen:

  • Rhetorische Frage
  • Ja-Nein-Frage
  • Peinliche Fragen
  • Lehrerfragen, deren Ergebnis richtig oder falsch sein kann
  • Fangfragen
  • Fragen, deren Ergebnis selbstverständlich ist


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