Kommunikationsarten
Aus WIGBIT
Der Psychologe und Kommunikationsforscher Paul Watzlawick sagte einmal : "Man kann nicht nicht kommunizieren!" D.h. alles was man tut oder sagt, ist eine Nachricht.
Ob verbal oder non-verbal, immer teile ich meinen Mitmenschen etwas mit. Kommunikation ist die Summe aller Ausdrucksformen.
Es ist also nicht nur entscheidend,
"was" sage ich,
sondern auch - und vor allem "wie" sage ich es.
Kommunikation entwickelt sich durch den Austausch von Äußerungen. Eine solche Äußerung muss nicht unbedingt, wie gesagt, eine verbale (sprachliche sein). Oft ist es ein minimales körperliches Signal.
Verbale Kommunikation
Zur verbalen Kommunikation gehört alles, was wir mit Sprechen respektive Hören übermitteln und wahrnehmen können. Symbol der verbalen Kommunikation ist die Sprache.
Sprechgewandtheit ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum guten Kommunikator oder zur guten Kommunikatorin.
Artikulatorische Merkmale
Unsere Aussprache muss klar und deutlich sein. Ob unser Gesprächspartner oder unsere Gesprächspartnerin uns ohne Mühe verstehen kann, hängt auch davon ab, wie präzise wir artikulieren. Einige können das gar nicht gut, nuscheln immer und müssen sich dauernd sagen lassen: "Sprich doch etwas deutlicher!". Wer so artikuliert, wirkt nicht sicher und überzeugend.
Wie das Beispiel Nachlässige Artikulation verdeutlicht:
Gerade die nachlässige Lautangleichung "p-b" oder "d-t" führt oft zu Missverständnissen.
Man sagt: "... und denkbar wäre es".
Doch der Zuhörer oder die Zuhörerin versteht "... undenkbar wäre es".
- Wer spricht, muss darauf achten, dass die Konsonanten eindeutig voneinander unterschieden werden. Der oder die Zuhörerin muss jede Silbe vernehmen und jedes Wort verstehen können.
- Ebenso sollte sich der Sender vor einer abgehackten Sprechweise hüten. Im Extremfall klingt das dann wie ein "zackiger" Militärton. In der Stimm- und Sprachheilkunde bezeichnet man das als "krampfartige Ausdrucksneurose".
- Der Sender sollte fließend, gebunden und langsam sprechen, so dass die Sinneinheiten der Wortgruppen wie aus einem Guss wirken.
Art der Sprache
Sprechen ist abhängig vom Breitengrad, Landschaft, Elternhaus, Ernährung, Gaumen, Lippen, Nase, Zahnstellung, Schule usw. Sprechen ist daher gefärbt und mit Eigentümlichkeiten durchsetzt. Wenn der Sender durch die Umstände gezwungen ist, eine Sprache zu sprechen, die ihm nicht liegt, ist Vorsicht geboten. Generell sollte man sich zwar immer auf die Zuhörer und Zuhörerinnen, also den Empfänger, einstellen. Prinzipiell gilt aber auch die Regel: Wir sprechen in unserer Sprache.
Es ist nicht zweckmäßig, eine gekünstelte Sprache für offizielle Anlässe zu wählen.
Die Sprache muss dem Sprecher oder der Sprecherin auf dem Leib geschrieben sein und zu ihm oder ihr passen. Der oder die SprecherIn muss authentisch sein.
Wortwahl
- Fremdwörter sollten nur dann verwendet werden, wenn es kein gleich geeignetes Wort für die Aussage gibt.
- Wenn der Sender Fremdwörter gebraucht, muss er selbstverständlich ihre Bedeutung genau kennen.
- und sie auch richtig aussprechen können.
Wiederholungswörter
Viele neigen dazu, zum Teil sinnlose Wiederholungswörter einzufügen. Ein versierter Redner oder eine versierte Rednerin wird mit der Sprache spielen, einen Sachverhalt durch unterschiedlich passende Worte beleuchten.
Unsere Umgangssprache umfasst ca. 3500 Wörter. Die meistgebrauchten Wörter unserer Sprache sind aber nur etwa 50 Wörter. Wenn wir professionell sprechen wollen, dann müssen wir immer am Ball bleiben, unseren Wortschatz ununterbrochen erweitern: "Übung macht den Meister".Wiederholungswörter sind z.B. auch Verlegenheitsfloskeln:
Verlegenheitsfloskeln wie "Ah", Äh" oder "Öh" dienen lediglich dem Überbrücken von Denkpausen. Der Sender hat den nächsten Satzteil noch nicht "auf der Zunge", meint aber wohl, es den Hörerinnen und Hörern schuldig zu sein, wenigstens irgend etwas von sich zu geben, und sei es auch nur einen Überbrückungs-"Urlaut". Da wir als Sprecherin oder Sprecher im Mittelpunkt stehen, kann es uns passieren, dass unsere Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen durch unsere Verlegenheitsfloskeln abgelenkt werden.
Begriffe
Wenn Begriffe verwendet werden, deren Bedeutung dem oder der ZuhörerIn nicht klar ist, oder die nicht eindeutig sind, müssen diese unbedingt definiert werden. Diese Definitionen sollten wiederholt werden.
Satzlänge
Künstlerisch gestaltete Schachtelsätze können in der geschriebenen Sprache ein wichtiges Stilelement sein. In der gesprochenen Sprache sind sie das falsche Stilmittel. Wie heißt es doch: "In der Kürze liegt die Würze".
Je niedriger das Bildungsniveau der Zuhörer/innen, desto kürzer müssen die Sätze sein:
Dazu das Beispiel
Bandwurmsatz:
"Wenn Sie, soweit Sie wollen, vor Ihren geistigen Augen alle Personen vorüberziehen lassen, mit denen Sie des öfteren in einer Sitzung zusammensitzen oder gemeinsam in einem Lenkungsausschuss arbeiten, dann können Sie sich leicht an einen ganz bestimmten Gesprächspartner erinnern, der, ohne dass es von ihm beabsichtigt war - so wollen wir zumindest hoffen - bei all diesen Zusammenkünften und sogar am Telefon und auch sonst ohne Punkt und Komma redet, wie es so schön heißt, respektive ohne Betonung, so dass die Länge der gelangweilten Gesichter der zum Zuhören verurteilten Gesprächspartner mit der Länge seiner Bandwurm- und Schachtelsätze in Zusammenhang steht, und es niemand, wirklich niemand, wagen würde, auf seine abschließende Frage, ob nun alles klar verstanden worden sei, mit einem vorsichtigen 'Nein' zu antworten ."
Mach die Probe aufs Exempel. Trag das obige 125 Wörter umfassende Satzmonstrum einer anderen Person vor. Der Zuhörer wird viel von dem Inhalt nicht wiedergeben können. Das darf aber nicht zu seinem Problem werden. Es ist allein Sache des oder der Sprechenden künstlich in die Länge gezogene Sätze zu vermeiden, damit er oder sie verstanden wird. Beim "Bandwurmstil" sind die Sätze zu lang. Sie müssen zerschnitten werden. Gerade wenn wir jemanden überzeugen wollen, haben kurze Sätze in griffiger, prägnanter Formulierung ihren Platz.
Worauf müssen wir nun beim Sprechen besonders aufpassen?
Sprechtempo
Damit der oder die SprecherIn verstanden wird, muss er oder sie auch auf das Sprechtempo achten. Unser Sprechtempo ist dafür verantwortlich, dass das, was wir sagen, von der Gesprächspartnerin oder vom Gesprächspartner verarbeitet werden kann. Jeder von uns kann in einer bestimmten Zeit nur eine begrenzte Menge an Informationen verstehen und behalten.
In indoeuropäischen Sprachen werden Sprechgeschwindigkeiten von 200-500 Silben pro Minute registriert.
Wir können also sagen: 200 Silben pro Minute ergeben ein relativ langsames Sprechen. Und ab 500 Silben pro Minute sprechen wir schnell.
Pausen
Pausen und Sprechen gehören zusammen.
- Mit Pausen gliedert und strukturiert der Sender seine Äußerung.
- Mit Pausen gibt er seinem Gesprächspartner auch Zeit, dass er das, was der Sender sagt, verarbeiten kann.
- Andererseits kann der Sender mit Pausen seiner Äußerung einen bestimmten Sinn geben.
Wann immer der Sender bewusst eine Pause macht, sieht er den Angesprochenen an oder lässt seinen Blick durch das Auditorium schweifen. Die prädestiniertesten Stellen, um Pausen zu machen, sind Interpunktuationen, wie z.B. Beistriche, - und besonders das Satzende.
Fragen
Fragen können unterschiedlich formuliert werden. Mit unterschiedlichen Formulierungen werden dem oder der Befragten unterschiedliche Antwortspielräume gegeben. Was für Fragen können nun gestellt werden?
Geschlossene Frage
"Bist du Gewerkschaftsmitglied?"
Der Befragte kann sich entscheiden zwischen der Antwort "Ja" oder "Nein".
Offene Frage
"Was verstehst du unter 'Gewerkschaft'?"
Hier kann z.B. mit einer Erklärung geantwortet werden. Es ist nicht so wie bei den geschlossenen Fragen, wo nur mit "Ja" oder "Nein" geantwortet werden kann.
Suggestivfragen
"Du hast also nichts dagegen unternommen?"
"Möchtest du auch weiterhin XY bezahlen?"
"Möchtest du auf XY verzichten?"
Der Befragte kann auf eine Antwort festgelegt werden.
Rhetorische Darstellungsmittel
Rhetorische Darstellungsmittel dienen vor allem dem Zweck, den Zuhörerinnen und Zuhörern den Redeinhalt anschaulich, spannend und eindringlich darzubieten und damit die Wirkung der Aussage zu steigern. Im folgenden werden einige oft verwendete rhetorische Darstellungsmittel angeführt:
Wiederholung
Wiederholungen rufen in Erinnerung und verankern die Kernaussage tiefer. Jeder Satzanfang beginnt mit dem gleichen Wort:
"Mehr Internet. Mehr Kommunikation. Mehr als wir erwarten"
"Der Betriebsrat vertritt deine Rechte. Der Betriebsrat schaut, dass sie umgesetzt werden."
Verdeutlichung
Die Verdeutlichung ist eine besondere Form der Wiederholung. Der Ausdruck, der ursprünglich gewählt worden ist, erscheint zu schwach. U.U. wird der Ausdruck zurückgenommen, verbessert und verdeutlicht:
"Ich habe meine Mitarbeiterin ersucht, die Akten zu suchen, nein, ich habe sie nicht nur ersucht, ich habe sie aufgefordert, jetzt endlich die Akten herbei zu schaffen".
Raffung
Darunter verstehen wir eine zusammenfassende Wiederholung in wenigen prägnanten Sätzen. Ziel ist eine kurze Orientierung über das Gesagte zu geben, ehe fortgefahren wird.
Ausruf
Kurz und prägnant. Ausrufe sollen nicht häufig verwendet werden.
"Denk daran!"
"Zum Teufel mit dem Neoliberalismus!"
Vergleiche und Beispiele
Klarheit wird geschaffen, da an Bekanntem angeknüpft wird. Das Bekannte dient als Brücke zur Verständigung. Dem Vergleich kommt nur selten Beweiskraft zu. Doch wegen seiner Anschaulichkeit und häufig auch Witzigkeit wird er gerne benutzt. Denn immer wieder kann festgestellt werden: Gerade der heitere Vergleich bleibt besonders haften.
"Du schwankst ja, wie ein Rohr im Winde"
"Das ist wie ein Rennen nur mit einem Pferd"- der Sieger steht von vornherein fest.
Bild - Bildreihe; die Metapher
Eine Sonderform des Vergleichs ist das Bild. Die Metapher kommt ohne das Wort "wie" aus. Wieder wird das Unbekannte mit dem Bekannten verknüpft. Wie beim Vergleich kann auch mit Bildern viel veranschaulicht werden, bewiesen jedoch nicht. Man sucht nach Bildern, die das Wesen einer Aussage verdeutlichen können. Womit kann das, was mitgeteilt werden soll, verglichen werden? Welche bildhafte Umschreibung ist möglich? Packende Bilder bleiben dem Zuhörer haften, abstrakte Denkaussagen jedoch meistens nicht.
"Die Massen können nur in Bildern denken und lassen sich nur durch Bilder beeinflussen", schrieb Ende des 19. Jahrhunderts der französische Philosoph Le Bon. Gute treffende Bilder sind wirkungsvoll. Nur müssen die "schiefen" vermieden werden. So mancher Sender möchte bildkräftig sein und stolpert dabei von einem Bild zum anderen:
"Der Zahn der Zeit hat schon so manche Träne getrocknet."
"Ich nehme mein krankes Bein auf die leichte Schulter": Das ist schlichtweg Nonsens.
Gegensatz
Wie beim Vergleich und beim Bild kommt es auch hier darauf an, einen Gedankengang zu verdeutlichen. Der Gegensatz muss einerseits einleuchtend sein, andererseits aber auch einen Überraschungseffekt haben:
"Pläne zu machen ist leicht, sie durchzuführen ist schwer."
"Wir müssen einen kühlen Kopf und ein heißes Herz haben."
"Die einzige Chance, dass ich nicht vergesse, was geschah, ist, dass du nicht vergisst was mir geschah."
Zitate und Sprichwörter
Ein Mittel, der eigenen Meinung dadurch mehr Nachdruck zu verleihen, in dem man sich auf die Aussage einer prominenten Persönlichkeit bezieht. Selbstverständlich muss immer angegeben werden, vom wem das Zitat stammt und/oder aus welcher Quelle.
Steigerung
Die Aussagen müssen sich zum Schluss hin steigern:
"Gut wäre es, du würdest es bis morgen machen, am besten wäre es, du würdest es sofort erledigen."
"Überall gibt es Eifrige, Übereifrige und all zu Eifrige."
Kette
Ein Gedankenglied greift in das andere, bis das letzte Glied der Gedankenkette erst den vollen Sinn klärt:
"Wir folgen dir, weil wir dir glauben, wir glauben dir, weil du einer von uns bist."
Wortspiel
Wortspiele sind witzig und spritzig. Ein Wortspiel mit Tiefgang wird von der Gesprächspartnerin oder vom Gesprächspartner gern aufgenommen:
"Kleine Schritte sind besser als keine Schritte."
"Wir fürchten keine Verhandlungen, aber wir werden niemals aus Furcht verhandeln."
"Wer glaubt, dass ein Abteilungsleiter eine Abteilung leitet, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet."
Scheinwiderspruch
Eine besondere Art des Wortspiels. Die Gegensätze widersprechen sich nur scheinbar:
"Weniger wäre mehr."
"Keine Antwort ist auch eine Antwort."
"Heiß geliebt und kalt getrunken."
Stabreim
Zur Verstärkung der Satzaussage werden mindestens zwei Anfangsbuchstaben oder Silben wiederholt:
"Bei Wind und Wetter"
"Anschauen, anfassen, anwenden"
Anspielung
Die Anspielung ist eine Form, um etwas anschaulich zu machen. Hier ist auch der Mitdenkreiz der Zuhörerinnen und Zuhörer wichtig:
"Diktatur ist aber kein Nationalsozialismus."
Umschreibung
Gemeint ist eine indirekte Mitteilung, oft mit einem ästhetischen Moment:
"Im Land, wo die Zitronen blühen": Italien.
Übertreibung
Eine Übertreibung veranschaulicht:
"todmüde"
"Kann ich Armeen aus der Erde stampfen?"
"Da war die Hölle los."
Mitverstehen
Gemeint ist eine verkürzende Ausdrucksweise, bei der man beim Empfänger voraussetzt, dass er versteht was gemeint ist:
"In Wien hat man beschlossen" statt "Im Parlament ist beschlossen worden"
Scheinfrage / rhetorische Frage
Auf eine Scheinfrage oder rhetorische Frage wird keine Antwort erwartet:
"Sie werden sich sicherlich fragen, was meint die Referentin eigentlich, wenn sie erklärt, dass... . Ich werde es Ihnen jetzt sagen."
Non-verbale Kommunikation
Die Erkenntnisse aus der Moderationstechnik, der Psychologie und der Kommunikationsforschung zeigen:
Verbaler Ausdruck und non-verbaler Ausdruck sind in ihrer Aussagenbedeutung mindestens gleichrangig. Im Zweifelsfall ist die non-verbale Kommunikation, die Beziehungsebene, sogar wichtiger.
Wir kommunizieren immer auf der verbalen inhaltlichen Ebene und der non-verbalen Beziehungsebene gleichzeitig. Solange die non-verbale Beziehungsebene positiv bleibt, solange hat unsere Botschaft eine gute Chance, auf der "nicht blockierten" Inhaltsebene durchzukommen.
Wenn sich die Beziehungsebene negativiert, entwickelt sich nämlich, nach dem Psychologen Leonard Festinger ein "Psychologischer Nebel": es wird schwieriger, eine Botschaft zu vermitteln.
Der Großteil der Signale und Botschaften, die der oder die RednerIn aussendet, ist unbewusst. Z.B. durch Tonfall und Stimme, aber auch Gestik und Mimik sagt sie oder er unterschwellig immer etwas aus (über sich und den oder die Kommunikationspartnerin).
Wir haben folgende Sprechausdruckmittel zur Verfügung:
Die Melodieführung
Jede Äußerung hat eine bestimmte Melodie.
Der Stimmklang
Der Klang einer Stimme ändert sich je nach Situation. Darüber hinaus gibt es aber auch die "Sprache mittels des Körpers".
Die Tonhöhe
Wenn wir aufgeregt sind, oder wenn wir besonders laut sprechen wollen, steigt die Stimme automatisch.
"Sprache mittels des Körpers"
Mit verschiedensten Methoden aus der Psychoanalyse wird heute versucht, herauszufinden, ob die Körpersprache, das Gesicht oder die Stimme verraten, wie ein Mensch tatsächlich ist. Durch aufmerksames Beachten der Körpersignale, so wird behauptet, wird der Körper zu einem wichtigen Informationsträger des Unbewussten.
Schließlich ist geschichtlich gerade die Verständigung durch Körpersignale die älteste Sprache. Charles Darwin hat die Ansicht vertreten, das bestimmte Gesichtsausdrücke allen Menschen gemeinsam sind und von allen verstanden werden.
Körpersprache - international verständlich
Diese Ansicht wurde vom amerikanischen Forscher Paul Ekman bestätigt. Ekman zeigte Studenten aus fünf verschiedenen Ländern 30 Fotos, auf denen 16 verschiedene Personen Gefühle wie Glück, Furcht, Überraschung, Ekel oder Zorn ausdrücken. Die Studenten ordneten den Bildern mit hoher Übereinstimmung die gleichen Gefühlsausdrücke zu. Körpersignale werden demnach auch als international und kulturübergreifend verstanden.
Meist ergänzt und unterstützt die Körpersprache das Gesagte. Oft aber stehen das Wort und die Körpersprache im Widerspruch - Worte können lügen, die Körpersprache aber nicht (oder nur sehr schwer). Die Stimme, Gestik und Mimik ist automatisch synchronisiert. Blick, Gestik, Stimme und Mimik stimmen überein und der Körper spricht "richtig". Kopf, Herz und Person bilden eine Einheit.
Es gibt eine Fülle von körpersprachlichen "Dechiffrierlisten". Obwohl es keine eindeutigen Dechiffrierlisten gibt, ist es aber trotzdem oft möglich, Wesentliches über Menschen zu erkennen.
Non-verbale Merkmale
Mit Hilfe nachfolgender non-verbaler Merkmale kann der Sender in einem Gespräch und/oder in einer Rede Unterschiedliches zum Ausdruck bringen.
Worte, Mimik und Gestik laufen nahezu synchron.
Mimik ist das Gebärden und Mienenspiel des Gesichts, Gestik hingegen ist die Körpersprache.
Das Wissen über die Wirkung eines bestimmten Gesichtsausdruckes und bestimmter Gesten ermöglicht die gesteuerte Kommunikation - auch ohne das gesprochene Wort.
Mimik
"Das Gesicht ist der Spiegel der Seele":
Was der Sender denkt, kann an seinem Gesicht abgelesen werden.
Eine der wichtigsten Grundregeln in der Kommunikation ist: Freundlichkeit und Lächeln.
Der Sender sollte aber nicht ein verkrampftes Lächeln aufsetzen. Vielmehr ein warmes, sympathisches, direkt aus dem Herzen kommendes Lächeln. Und er sollte auch seine Mimik entsprechend den sich verändernden Gefühlslagen verändern.
Der Körperausdruck regelt die Beziehungen
Man hat beim Gesprächspartner oder bei der Gesprächspartnerin größere Chancen, für ein Anliegen ein offenes Ohr zu finden, wenn es gelingt, mit ihm oder ihr einen guten "Rapport" zu entwickeln.
Was heißt Rapport? Der Ausdruck "Rapport" kommt aus dem Bereich der Hypnose. Rapport ist die gefühlsmäßige und inhaltliche Übereinstimmung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisand, und die drückt sich körperlich aus.
Wenn z.B. Körperhaltungen und -bewegungen zweier Gesprächspartner sich einander angleichen, fühlen sich die beiden miteinander wohl. So kann die Entwicklung von gegenseitiger Sympathie aktiv unterstützt werden, wenn man sein Gegenüber körperlich, sprachlich, gedanklich, emotional spiegelt. Im Fachjargon heißt das "Pacing".
Ein Beispiel:
Der Vorgesetzte spricht mit einem Mitarbeiter und nimmt eine ähnliche Sitzposition ein, passt sich in Sprechtempo und Lautstärke an diesen an und folgt sogar seinen Bewegungen - mit einiger Verzögerung. Der Mitarbeiter fühlt sich wohl; denn, wie heißt es doch so schön: Die beiden haben die gleiche "Wellenlänge" - mit "Pacing" entwickelt.
Nähe und Distanz
Ebenso wird Nähe und Distanz zum Gesprächspartner durch Körpersprache bestimmt:
Ein Beispiel:
Wir kennen alle die Situation im Aufzug: Man steigt in einen kleinen Aufzug ein, und in diesem steht ein anderer uns unbekannter Mensch, mit dem man sich nun etwas mehr als einen Quadratmeter teilen muss. Was machen wir? In der Regel werden wir uns einen Standplatz in möglichst großer Distanz zum Unbekannten suchen. Wenn der Aufzug nun in jedem Stockwerk immer voller wird, werden wir zu einer räumlichen Nähe zu den anderen "Mitpassagieren" genötigt. Jetzt studieren wir angestrengt die Anzeigetafel mit den Stockwerksnummern. Warum?
Räumliche Distanz und Nähe sind als Abbildung emotionaler Distanz und Nähe zu verstehen.
Prinzipiell werden 4 Distanzbereiche beschrieben:
- Intim: bis 60 cm. Hier ist der Körperkontakt leicht herstellbar.
- Persönlich: 60-150 cm. Bei nahen Beziehungen.
- Sozial-Beratend: 150-400 cm. Eher unpersönliche Beziehungen.
- Öffentlich: 400 cm und mehr. Bei öffentlichen Anlässen.
Durch räumliche Distanz und Nähe teilen wir anderen unsere emotionale Distanz oder Nähe mit.
Um nun beim Gesprächspartner keine Abwehrreaktionen zu provozieren, empfiehlt es sich, die Distanzzonen der Gesprächspartnerin oder des Gesprächspartners zu respektieren.
Ein Beispiel:
Wenn ein Arbeitssuchender sich bei einem zukünftigen Arbeitgeber vorstellen geht, und er bekommt dort einen Stuhl angeboten, der auf der anderen Seite des Schreibtisches steht, dann ist es ratsam für den Jobanwärter, das zunächst zu akzeptieren. Denn der zukünftige Arbeitgeber könnte den Schreibtisch als Grenze seines persönlichen Territoriums ansehen.
Und wenn der Arbeitssuchende nachher mit der Bahn nach Hause fährt, stellt er vielleicht seine Tasche auf den Nebensitz. Solche Grenzmarkierungen, oder auch "Sicherheitszonen" genannt, gibt es also bei jedem. Wenn sich aber im Laufe des Gespräches zwischen Arbeitssuchendem und dem Arbeitgeber ein positiver Rapport entwickelt, kann er seinem Gesprächspartner etwas näher rücken.
Wir benutzen aber auch andere Körpersignale, um Distanz und Nähe mitzuteilen:
Blickkontakt und die Körperorientierung
Mit "Blickkontakt" ist gemeint, wenn wir z.B. einen Vortrag halten, dann werden wir unseren Blick durch die Reihen wandern lassen und nicht scheuen, den einen oder anderen Teilnehmer auch länger anzuschauen.
"Körperorientierung" heißt Zu- oder Abwendung vom Gesprächspartner.
Wer sich während der Kommunikationsprozesse an zu viele Ratschläge hält, begeht den Fehler, die Hauptenergie für Dinge zu verwenden, die eigentlich automatisch stimmen. Jeder Laie, jeder Zuhörer und jede Zuhörerin erkennt gekünsteltes Verhalten. Bei Kommunikationsprozessen lohnt sich deshalb das "Falsch-Spielen" nicht. Einstudierte Gesten und Mimiken wirken aufgesetzt. Wenn ich als Redner den richtigen Gestus habe zu dem, worüber meine Rede geht, entstehen Mimik und Gestik, Tonfall und andere "Regieanweisungen" von innen (aus meinem Gestus) heraus, d.h. von allein, sofern ich "es aus mir sprechen" lasse. Brecht überträgt die Stanislawskische Theatererfahrung "es spielt aus mir..." auf die Rhetorik: "es spricht aus mir...".
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