Innerbetriebliche Kommunikation
Aus WIGBIT
Die Intensivierung der Kommunikation mit den Menschen, anders gesagt, die Intensivierung der innerbetrieblichen Kommunikation, ist ein Schlüssel zum Erfolg, um Menschen anzusprechen. Mit ihr kann man auf sich als Betriebsrat – und damit auf die Gewerkschaft aufmerksam machen, und entscheidend die Beziehung zur Belegschaft und damit auch die Mitgliederentwicklung beeinflussen. Ziel der innerbetrieblichen Kommunikation ist es u.a., den Betriebsrat und seine Themen und damit die Gewerkschaft verstärkt in den Wahrnehmungshorizont der Belegschaft zu rücken. Zu den verschiedensten Gelegenheiten sollten wir:
Mit Menschen reden
- auch und vor allem mit denjenigen, die wir nicht gut kennen. Wo? Eigentlich überall.
Es geht sicher nicht darum, Kontakte nur mit dem Hintergedanken zu knüpfen, dass diese für uns in irgendeiner Form „nützlich“ sein könnten. Trotzdem gilt: Jeder Kontakt, kann für uns von Vorteil sein.
Kontakte wollen aber auch gepflegt werden. Und zwar nicht, wie bereits betont, aus reinem Eigennutz! Wir passen die Intensität des Kontaktes unserem aufrichtigen Interesse an. Kontaktpflege bedeutet auch nicht, dem anderen ständig ins Blickfeld zu geraten. Auch ein loser aufrecht erhaltener, angenehmer Kontakt ist absolut in Ordnung. Wichtig ist: Je intensiver der Kontakt und je aufmerksamer wir sind, desto eher sind wir im Gedächtnis bei unseren Mitgliedern. Und diese erkennen es an, wenn wir uns aufrichtig persönlich bemühen und kümmern statt aufdringlich zu werben.
Regelmäßige Rundgänge
durch den Betrieb unternehmen, für Gespräche am Arbeitsplatz. Vorteilhaft sind dazu fixe Termine, damit diese wichtige Aufgabe des Betriebsrats nicht im Alltagstrubel untergeht. Jeder muss uns kennen! Je bekannter wir werden, desto interessanter sind wir für andere. Sorgen wir mit einem offensiven Ego-Marketing dafür, dass man uns kennt, dass über uns und unsere Themen gesprochen wird.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über die Wichtigkeit von Rundgängen im Betrieb und deren Häufigkeit:zum Audiobeitrag Rundgänge (01:54 Min, 4.38 MB)
Die Belegschaft informieren
Die Belegschaft, also Mitglieder ebenso wie Nicht-Mitglieder, sollte regelmäßig und sachlich über die Arbeit und die Ziele des Betriebsrats und der Gewerkschaft informiert werden.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über die Zusammengehörigkeit von BetriebsrätInnen und Gewerkschaft:zum Audiobeitrag regelmäßige Information der Belegschaft (02:15 Min, 5.17 MB)
Dabei soll sichtbar werden:
- Warum es sich lohnt, Mitglied in der Gewerkschaft zu sein
- Die Erfolge des Betriebsrats
Beispiele:
- Die Qualifikation der Betriebsrätinnen und Betriebsräte durch die Bildungsarbeit des VÖGB und der Gewerkschaften. Diese gute Ausbildung hilft mit, die Interessen von Beschäftigten gegenüber dem Management wirksam zu vertreten und Beschäftigte zu beraten.
- Die Beratung der Betriebsrätinnen und Betriebsräte durch die Bezirkssekretariate und/oder dem oder der fachkundigen GewerkschaftssekretärIn. Informationsmaterial kann z.B. sein: Betriebsratszeitungen, Infoblätter und Flugblätter. Das Informationsmaterial sollte der ganzen Belegschaft zugänglich gemacht werden, auch den gewerkschaftlich nicht organisierten Beschäftigten. Es stellt Transparenz über die Arbeit der Gewerkschaft her. Wer darüber hinaus Informationen des Betriebsrats oder z.B. eine „Gewerkschaftszeitung“ persönlich übergibt, hat einen guten Anknüpfungspunkt für ein persönliches Gespräch. Man kann dabei auch aktuelle Probleme und Wünsche der Beschäftigten herausfinden. Infoblätter des Betriebsrats können die Beschäftigten regelmäßig und systematisch ansprechen. Sie haben einen exklusiven Charakter, weil niemand sonst so „hautnah“ arbeitsplatz- und betriebsbezogene Themen und Probleme aufgreift. Auch gewerkschafts- und allgemeinpolitische Fragen müssen prominent vertreten sein. Ein Infoblatt darf kein reines „Verlautbarungsorgan“ des Betriebsrats sein. Infoblätter wie auch Betriebsratszeitungen sollen auch ein Forum für die Beschäftigten sein, in dem sie so oft wie möglich zu Wort kommen. Das Flugblatt ist die schnellste und aktuellste Information, wenn in einer besonderen Situation möglichst viele Menschen erreicht werden sollen. Achtung! Wer Flugblätter „inflationär“ nutzt, reduziert seine Wirkung – möglicherweise ausgerechnet in einem entscheidenden Konflikt. Informationskanäle sind z.B. das „Schwarze Brett“, Internet, das persönliche Gespräch usw.
Umfragen, MitarbeiterInnenbefragung
sind ein nützliches Instrument, um
- die Beschäftigten an der gewerkschaftlichen Betriebsarbeit zu beteiligen und zu aktivieren;
- Öffentlichkeit herzustellen;
- im Konfliktfall Druck auf den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin auszuüben;
- mehr über die brennenden Themen im Betrieb zu erfahren. Nur mit diesem Wissen kann man die relevanten Themen transportieren.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) beschreibt Erfahrungen mit Umfragen aus dem Alltag:
zum Audiobeitrag Umfrage (01:00 Min, 2.3 MB)
„Kommunikationsräume“
Das Management hat schon vor Jahrzehnten erkannt, dass das sogenannte „informelle“ Gespräch in der Belegschaft produktivitätssteigernd wirkt. Schließlich wird in der Kaffeepause in den seltensten Fällen nur über Privates gesprochen, meistens ist der berufliche Alltag das zentrale Thema. Dort erfährt man „Die Abteilungsleiterin XY ist schon länger krank“, „Die Kollegin AB hat ein neues Projekt initiiert“, alles Informationen, die bei Kenntnis viel Zeit und damit Geld sparen, Informationsvorsprung und Arbeitserleichterung bringen. Diese Erkenntnis veranlasst das Management manchmal dazu der Belegschaft für den informellen Austausch Raum (d.h. Zeit und Infrastruktur) zur Verfügung zu stellen.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über die Schaffung von Kommunikationsräumen:zum Audiobeitrag Kommunikationsräume (02:05 Min, 2.4 MB):
Aufgabe des Betriebsrates ist es, die Kommunikationsräume nicht dem Management zu überlassen und selbst der Belegschaft Kommunikationsräume zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus soll der Betriebsrat weitestgehend an der informellen Diskussion beteiligt zu sein, um die für ihn relevanten Themen aufzugreifen und selbstverständlich auch die eigenen Themen unterzubringen. Eine Betriebsrätin berichtet, seitdem sie Kaffeeautomaten aufgestellt hat und regelmäßig die informelle Kommunikation mit der Belegschaft vor den Automaten sucht, hat sie das Gefühl „am Puls der Zeit“ zu sein.
Webbasierte Kommunikationsformen
Das Internet ist ein unverzichtbares Kommunikationsmittel um Informationen schnell zu übermitteln.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) beschreibt...
... die zunehmende Bedeutung von "social software" (01:31 Min, 1.73 MB)
Foren, Weblogs, Wikis und das ganze Panorama an „social software“: der Markt bietet heute viele Kommunikationsmittel und -hilfen an. Sie erleichtern und ermöglichen überhaupt erst die innerbetriebliche Kommunikation.
Die Belegschaft in Projektgruppen beteiligen
Aufmerksamkeit erweckt auch eine Aufforderung zur Mitarbeit an der gewerkschaftlichen Betriebsarbeit.
Mitdenken und Mitmachen ist erwünscht. Die Beschäftigten werden so ernst genommen und gefragt.
Nur wer Menschen über seine eigene Arbeit informiert, hat die Chance, sie dafür zu motivieren, dass sie sich – vielleicht auch nur punktuell – an der gewerkschaftlichen Betriebsarbeit z.B. in Projektgruppen beteiligen. Durch regelmäßige Information erhalten die Beschäftigten die Chance, sich aktiv einzuschalten.
Wichtig ist, dass am „Schwarzen Brett“, im Intranet oder in der Betriebsratsinfo regelmäßig über Arbeitsfortschritte der Projektgruppen berichtet wird. Dadurch wird Neugier und Interesse bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Projektgruppen, wie auch bei denjenigen, die noch nicht aktiv an der Betriebsratsarbeit mitwirken, geweckt. Das Ziel soll sein, dass auch der nicht gewerkschaftlich organisierte Teil der Belegschaft schrittweise einbezogen wird.
Lebendige Betriebsversammlungen
Betriebsversammlungen sind oft schlecht besucht und erstarren in Routine. Neue Elemente können die Aufmerksamkeit zurückbringen. Da normalerweise schon zu viel geredet wird, sind folgende Ideen besser: Videofilm oder Ton-Dia-Show zeigen, eine Kulturgruppe einladen, eine kleine Aktion einlanen. Hierbei ist Abwechslung wichtig.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über den Alltag von Betriebsversammlungen und interessantere Großgruppen-Designs:zum Audiobeitrag Betriebsversammlungen (02:17 Min, 2.62 MB)
Um Betriebsversammlungen lebendig zu machen, sollten viele mitdiskutieren. Hierfür eignen sich z.B. Architekturen wie Open Space, World Café (auch Knowledge-Café genannt) usw. Der Betriebsrat sollte auch die Beschäftigten über die Themen vor der Betriebsversammlung informieren. Sie können sich dann auf die Probleme, die sie ansprechen wollen, besser vorbereiten.
Außergewöhnliches, Aktionistisches, nicht Alltägliches…
In den letzten Jahren haben sich in einigen privatwirtschaftlichen Unternehmen Verkaufsstrategien durchgesetzt, in denen das Element der „Aufmerksamkeit“ zentral ist:
Immer öfter liest man in Marketingpublikationen von besonders spektakulären, subtilen oder überraschenden Verkaufsaktionen. Man hört von rennenden Nackten, fliegenden Autos, illegalen Plakatierungen und ähnlichen Aktionen. Immer wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, wird für großes Aufsehen gesorgt. Alles, was zum Erfolg führt und nicht verboten ist, ist erlaubt:
die Werbeagenturen bezeichnen dies als „Guerilla-Marketing“.
Schließlich müsse man in unserer Zeit auffallen und von erwarteten Rastern abweichen, um die Aufmerksamkeit des Kunden oder der Kundin zu gewinnen. Gerade in Zeiten des ständig wachsenden Werbedrucks, des schärfer werdenden Konkurrenzkampfes und der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage steigt auch der Wunsch von Unternehmen, mit allen verfügbaren Mitteln Marktanteile zu sichern oder auszubauen. Gemeint sind originelle, überraschende, unkonventionelle und provokante Elemente, um die Zielgruppen wachzurütteln. Hochtrabende Konzepte mit großen Budgets müssen weichen vor innovativen Taktiken und praktischem Handeln mit intelligenten, punktuell eingesetzten Aktionen mit großer Wirkung. Marketing mit kleinen Mitteln und großem Erfolg – eben „Guerilla-Marketing“: Aktivisten stürmen unangekündigt über die Zielgruppe herein, hinterlassen ihre Werbebotschaft und verschwinden genauso schnell wieder im Nichts. Guerilla-Marketing baut auf spontane Verwirrung mit einem nachfolgenden, um so größeren „Aha-Effekt“.
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über den Einsatz und die Häufigkeit von Guerilla-Marketingmethoden:zum Audiobeitrag Guerilla-Marketing (01:41 Min, 1.92 MB)
Auch wir sollten als WerberInnen auf Guerilla-Marketingstrategien zurückgreifen und mit ungewöhnlichen Methoden die Aufmerksamkeit erlangen. Ideen dazu sind: Schwerpunktaktionen im Betrieb, Ausstellungen, Bodenzeitungen, Veranstaltungen und originelle Betriebsversammlungen.
- Weiter im Kurs "Kommunizieren und Werben mit System", Der Kommunikationsprozess: Der Beziehungsaufbau
- Zum Inhaltsverzeichnis des Kurses "Kommunizieren und Werben mit System"
