Gewerkschaftsbewegung und Web 2.0

Aus WIGBIT

Wechseln zu: Navigation, Suche

Zugegeben: In Österreich hat das Web 2.0 nur sehr bedingt Einzug in die gewerkschaftliche Arbeit gehalten. SkeptikerInnen halten modernen Kommunikationswegen wie Blogging entgegen, dass ein persönliches Gespräch viel besser sei. Stimmt! Eine persönliche Beziehung aufbauen mit so genannter Face-to-Face-Kommunikation kann durch nichts ersetzt werden. Dabei ist es egal, ob es sich um die Beziehung zwischen ArbeitnehmerIn und Betriebsrat, private Kontakte oder Geschäftsbeziehungen handelt.

Wie in der Einleitung gezeigt wurde, können Web-2.0-Anwendungen im privaten Bereich eine Unterstützung sein – ganz zu schweigen von unzähligen Partnerbörsen, die ebenfalls teilweise mit der Web-2.0-Logik funktionieren. Geschäftsbeziehungen werden heute zu einem Gutteil im Web gepflegt und in vielen Fällen werden bereits Web-2.0-Anwendungen genutzt: Viele Firmen haben sich auf diese Art Entwicklungskosten gespart, da sie beispielsweise über Web-2.0-Anwendungen KundInnen in Produktentwicklungen miteinbezogen haben. So werden Web-2.0-Instrumente ergänzend dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel: privat um über räumliche Grenzen hinwegzukommen und geschäftlich um viele Meinungen und Ideen kosteneffizient einzuholen.

Web-2.0-Instrumente sind kein Ersatz für klassische Kommunikationswege wie das persönliche Gespräch. Web-2.0-Anwendungen sind auch keine Wunderpille, die alle Probleme lösen kann. Vielmehr können einige Anwendungen Hilfsmittel sein, um die Betriebsratsarbeit zu unterstützen. Wenn die Virtualität in betrieblichen Arbeitsbeziehungen klug eingesetzt wird, kann sie tatsächlich zu einer höheren Flexibilität beitragen. 2002 – nur zwei Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase – beschreibt Bodo Busch in "Der flexible Betriebsrat", dass für die Zielgruppen

  • Heim- oder TelearbeiterInnen,
  • Beschäftigte, die viel im Netz arbeiten,
  • Beschäftigte im Außendienst
  • Beschäftigte auf Baustellen
  • Räumlich getrennte Betriebsteile

der Zugang zum Betriebsrat verbessert werden kann. Diese optimistische Einschätzung kann aus heutiger Sicht bestätigt werden. Das Web hat sich in den vergangenen Jahren stark geändert: Der Mitmach-Gedanke steht im Vordergrund. Das Netz ist heute nicht mehr (nur) Informationsbeschaffungsstelle, wo sich der/die UserIn passiv Inhalte anschaut. Vielmehr beteiligen sich zunehmend mehr UserInnen an den Inhalten. Viele nutzen typische Web-2.0-Anwendungen (z. B. Wikipedia) ohne zu wissen, dass es sich hierbei um Web 2.0 handelt. Sicherlich ist die Nutzung nach Web-1.0-Direktiven weit verbreitet. Trotzdem: In ersten Schritten hinterlässt der/die UserIn in Foren auf Nachrichtenseiten Kommentare und verstärkt registrieren sich Internet-SurferInnen auf Social-Network-Plattformen.


Persönliche Werkzeuge