Finanzmärkte
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Die Internationalisierung der Märkte
Unternehmen ist es heute möglich, grenzüberschreitend weltweit tätig zu sein und Marktvorteile unterschiedlicher Standorte aufzuspüren und zu nutzen.
Dies ist bedingt durch
- moderne Logistik,
- niedrige Transportkosten und
- neue Möglichkeiten der raschen und effizienten Datenübermittlung.
Begünstigt wird die Entwicklung durch
- Öffnung nationaler Märkte (als Ergebnis der neoliberalen Durchdringung der Weltwirtschaft),
- politische Liberalisierung und
- internationale Abkommen (Abbau von Zolltarifen in den GATT-Runden, Abbau weiterer Handelshemmnisse durch die WTO).
Transnationale Konzerne sind vor allem in den Bereichen Chemie, Öl, Agrarwirtschaft, Elektronik- und Kommunikationstechnologie und Fahrzeugbau tätig. Gleichzeitig können aufgrund des Internets Finanztransaktionen in Sekundenschnelle quer über den Erdball durchgeführt werden.
"Profit over people"
"Heute dienen nur noch 3% der in der Welt umlaufenden Gelder dem Warenaustausch oder Handel und 97% der reinen Spekulation."
Quelle: Bundesverband deutscher Investmentbanken, Jahresbericht 1998
Quelle: www.spectralq.com
Mit dem Zu-Fall-Bringen des Bretton-Woods-Systems der (an den US-Dollar gebundenen) fixen Wechselkurse im Jahr 1973 kam es unter monetaristischem Einfluss auch zur Deregulierung der Finanzmärkte, zu einer Verlagerung der Wirtschafts- und Finanzpolitik von den Regierungen hin zu den autonomen Notenbanken, die nun über den Wert einer Währung sowie den "Wert" der Wirtschaftspolitik eines Landes entscheiden.
Die Internationalisierung der Finanzmärkte ist durch eine Verlagerung von den Gütermärkten auf die Finanzmärkte gekennzeichnet. Die Flexibilisierung der Markt- und Handelsschranken für den internationalen Kapitalverkehr eröffnete erstmals die Möglichkeit rentabler Devisenspekulationen und Kapitaltransfers sowie die Möglichkeit, in Devisen und nicht in Produktion zu investieren (Casino-Kapitalismus). Es entwickelten sich neue Spekulationsinstrumente wie Futures und Optionen/Derivate, die geeignet sind, die Gewinnchancen kurzfristiger Finanzaktionen zu steigern und Risiken zu senken.
Mittlerweile haben 98,5% der Umsätze auf den Finanzmärkten spekulative Absichten. Kurzfristige Währungstransaktionen erhöhen die Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte. Die Südostasienkrise hat 25 Millionen Menschen arbeitslos gemacht und in Armut gestürzt.
Turbo-Kapitalismus
Für die einzelnen Nationalstaaten wurde es zunehmend unmöglich, die nunmehr von der Realwirtschaft losgelösten Kapitalströme zu kontrollieren, zu besteuern und beschäftigungswirksam einzusetzen.
Die zentralen Bedürfnisse der AkteurInnen auf den Finanzmärkten sind
- freie Kapitalmobilität,
- hohe Zinsen auf das investierte Kapital,
- niedrige Inflation und
- niedrige Steuern auf Kapitaleinkommen.
Im Zuge dieser Entwicklung verfolgt die EZB (Europäische Zentralbank) das wirtschaftspolitische Ziel, die Inflation niedrig zu halten, wodurch Kreditzinsen steigen. Diese Politik führt zu sinkenden Investitionen durch vor allem Klein- und Mittelunternehmen und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen.
Für den einzelnen Staat bedeutet dies geringeres Lohnsteueraufkommen, höhere Staatsausgaben etwa durch Ausgaben für Arbeitslose und mehr Frühpensionen. Eigene Rating-Agenturen (wie etwa Moody’s in New York) erstellen Analysen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes.
Beispiel Schweden
Als etwa der sozialdemokratische Ministerpräsident Schwedens, Persson, öffentlich vorschlug, die Unterstützung für Arbeitslose und Kranke wieder auf 80% heraufzusetzen, kommentierte Moody"s, dass die Stabilisierung des schwedischen Staatshaushaltes unzureichend sei. Einen Tag später fielen die Kurse für Aktien und Renten in Schweden um bis zu 100 Punkte.
Zusätzlich zur Internationalisierung der Finanzmärkte kam es vielfach zur Verlagerung der Aktivitäten von Finanzunternehmen in Steueroasen (Off-Shore-Finanzplätze), um den staatlichen Steuern zu entfliehen, die mithin zunehmend von den einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten getragen werden müssen.
Die Finanzkrisen in Ostasien, Russland und Lateinamerika
Die verheerenden Auswirkungen internationaler Finanzspekulationen illustrieren vor allem die großen Finanzkrisen in Ostasien, Russland und Lateinamerika der vergangenen Jahre.
Diesen Märkten wurden Anfang bis Mitte der 1990er Jahre enorme Finanzkredite mit extrem kurzer Laufzeit gewährt, die 1997 in einer Panikreaktion der Banken unter dem Eindruck negativer Erwartungen bezüglich der Wirtschaftsentwicklung dieser Länder kurzfristig gekündigt wurden. Da die Kredite in US-Dollar gewährt waren, war es 1995 mit der Aufwertung des Dollars zu einer erheblichen Aufwertung ausländischer Kredite gekommen.
Hauptbetroffener der Spekulationen gegen die heimische Währung war zunächst Thailand, es folgten Indonesien, Malaysia, Philippinen und Südkorea. In weiterer Folge kam es zum Zusammenbruch der Währungen in Russland und in Südamerika. Der IWF, der erst von den ostasiatischen Ländern angerufen wurde, verlangte für seine Intervention strenge Maßnahmenpakete zur Reduktion der Staatsausgaben sowie Öffnung der Länder für ausländische InvestorInnen.
In der Folge kam es zu einem immensen Anstieg der Arbeitslosigkeit und zu Preissteigerungen, sinkendem Lebensstandard und Armut in der Bevölkerung, da auch soziale Auffangnetze fehlten. Die Krise war von den Finanzmärkten auf die Bevölkerung überwälzt worden. Auch die Finanzkrisen in Argentinien 2001/2002 sind ein Paradebeispiel neoliberaler Politik.
Zur ausführlichen Analyse von Währungsregimen des IWF (27k) von Heribert Dieter.
Quelle: E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 6, Juni 2002)
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