Eine Rede vorbereiten

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Grundlegend für die Vorbereitung einer Rede sind fünf Phasen, fünf Arbeitsschritte.
Cicero teilt die gesamte Tätigkeit des freien Redens in fünf Teile:

"... er müsse erstens finden, was er sagen wolle,
zweitens das Gefundene nicht nur hinsichtlich der Anordnung, sondern auch nach der Bedeutung und entsprechend seinem Urteil ordnen und zusammenstellen,
es schließlich drittens in wirkungsvolle Worte kleiden,
dann viertens im Gedächtnis aufbewahren
und endlich würdevoll und elegant vortragen".

Damit sind die Grundlagen für den Aufgabenbereich des Redners / der Rednerin gelegt.

Das Aktivitätsfeld der freien Rede gliedert sich in:

Inhaltsverzeichnis

Ideen-Sammlung (Inventio)

Gemeint ist damit die Sammlung der wesentlichen Gedanken, vor allem der Aspekte und der Argumente. Gesammelt wird, was von der Sache her notwendig und im Hinblick auf die Zuhörerinnen und Zuhörer wirkungsvoll ist. Viele Reden und Vorträge kranken daran, dass sie offensichtlich zu kurzfristig vorbereitet sind. Prinzipiell sollte nicht nur Stoff für eine bestimmte Rede oder einen bestimmten Vortrag gesammelt werden, sondern ganz allgemein durch eine weitverzweigte Stoffsammlung das Wissen erweitert werden.

Wir müssen Material auf weite Sicht sammeln. Je länger unsere Rede wird, desto wichtiger wird es, dass wir weit mehr wissen, als wir sagen.

Redeabschnitte/Die Gliederung (Dispositio)

Gliederung ist die Anordnung der einzelnen Redeteile.

Die Struktur einer Rede wird in der Regel durch die Abschnitte:

  1. Einleitung
  2. Hauptteil
  3. Schluss

gegliedert.

Das Längenverhältnis der 3 Abschnitte verteilt sich wie folgt:

  • Einleitung 30-35%
  • Hauptteil 60%
  • Schluss 5-10%

Schauen wir uns die einzelnen Redeabschnitte an:

Die Einleitung

Der Schlüssel für eine gute Rede ist der Einstieg. Der erste Eindruck ist wichtig. Der erste Eindruck erhält keine zweite Chance. Jede Rede braucht eine einzigartige und packende Einleitung. Warum? Mit der Einleitung wird die Erwartungshaltung der Zuhörerinnen und Zuhörer geweckt - Spannung aufgebaut.

Die Einleitung basiert also hauptsächlich auf dem "Wie"-Prinzip. Denn damit können wir als RednerIn das Interesse des oder der ZuhörerIn auf den Hauptteil wecken. Mit dem gelungenen Einstieg ziehen wir die ZuhörerInnen in unseren Bann.

Redeanfang

Mit einem guten Anfang ist es leichter, den Einstieg in die Rede und den Zugang zum Publikum zu erhalten. Ein Anfang ist dann gelungen, wenn der oder die ZuhörerIn zu sich selbst sagt: "Das klingt interessant - da muss ich aufpassen".

Beispiele, wie ein Anfang aussehen kann:

  1. Eine Zahl wird an den Anfang gestellt. Es wird kein ganzer Satz gesprochen, sondern nur die Zahl:
    "10 000, 30 000, nein, nahezu 50 000 Betriebsräte vertreten Ihre Interessen vor Ort"
  2. Eine Anekdote erzählen - die ZuhörerInnen werden lachen, die Atmosphäre wird aufgelockert.
  3. Überraschungseffekt: Durch eine überraschende Aussage die Neugierde wecken und/oder durch eine Frage die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen wecken:
    "Haben Sie schon einmal überlegt, was passiert, wenn Sie keinen betrieblichen Interessenvertreter vor Ort haben?";
    "Schätzen Sie, wie viele Betriebe weniger als 5 Beschäftigte haben!"

Wer vor Publikum spricht, kann z.B. auch einen ungewöhnlichen Einstieg wählen, der von niemanden erwartet wird: zu sprechen beginnen, während er oder sie sich noch hinter der Bühne befindet, oder im Rücken des Publikums steht.

Es können auch Gegenstände am Anfang einer Rede mit einbezogen werden, die sich im Raum befinden: z.B. der Vorhang:
"Vorhang auf, verschleiern hilft nicht mehr: Der Neoliberalismus startet einen Frontalangriff".

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Wir müssen nur als Redner aufpassen, dass sie nicht ins Geschmacklose ausufert. Der originelle Anfang gibt uns zwar einen guten Einstieg für unsere Rede, aber er sollte dem Inhalt und dem Publikum angemessen sein.

Schlechter Anfang

Mit negativen Anfängen gibt es nichts zu gewinnen, weil wir uns einerseits damit selbst degradieren, den Redeanlass bagatellisieren, und andererseits den Zuhörern sagen, wie unwichtig sie sind:
"Ich war gerade hier in der Gegend und dachte ...";
"Ich möchte Ihre Zeit nicht lange in Anspruch nehmen, aber....".

Der Hauptteil

Der Hauptteil beinhaltet die Aussagen zum Thema, die Substanz der Rede. Dieser Abschnitt wird vom "Was", vom Inhalt, bestimmt. Hier zählen Fakten, Beweise, logische Folgerungen, sachliche Argumentationen, Beispiele, Behauptungen usw.

Je einfacher und übersichtlicher die Struktur eines Vortrages ist, desto angenehmer ist das Zuhören. Das bedeutet, dass man die Kunst des Weglassens erlernen sollte. Drei bis vier Argumente stellen im Normalfall den Hauptteil einer Rede dar.

Auch wenn wir mehr Argumente haben: wir sollten niemals alle bringen. Ein Grund ist der, dass ein Redner / eine Rednerin zu einem Thema immer mehr wissen muss, als er/sie tatsächlich bei der Rede sagt.
Ein anderer Grund ist der, dass die Gedächtnisleistung unserer ZuhörerInnen keine 12 oder mehr Argumente zulässt. Wir müssen davon ausgehen, dass unsere ZuhörerInnen nur drei bis vier Informationen gleichzeitig behalten können.
Studien zeigen: auch wenn alle ZuhörerInnen nach 5 Minuten noch voll dabei sind, ist nur noch ein Fünftel nach 30 Minuten aufmerksam. Nach 45 Minuten Vortrag kann ein Durchschnittszuschauer nur noch 20% des Gehörten wiedergeben.

Das beste Argument wird immer am Schluss gebracht, weil sich das der Zuhörende am leichtesten einprägen kann - einerseits. Andererseits ist der letzte Eindruck der Bleibende.
Das zweitbeste Argument wird am Anfang gebracht.

Bild:Rhe_argumente.jpg

Der Redeschluss

Wir haben über die Einleitung gesagt: Der erste Eindruck ist wichtig. Wichtiger ist aber: Der letzte Eindruck ist der Bleibende. Die Einleitung schafft die Voraussetzungen für die Aufnahme beim Publikum. Mit dem Schluss kommt aber erst die Zustimmung, der Applaus usw. Also: Beim Schluss ist wieder das "Wie" ausschlaggebend. Hier ist es wichtig, die Zuhörerinnen und Zuhörer wieder direkt anzusprechen.

Empfehlungen für den Schluss der Rede:

  1. Je länger eine Rede ist, desto mehr eignet sich eine Zusammenfassung des Gesagten.
  2. Appell geben: Damit erzielen wir als Redner oder Rednerin eine Aufbruchsstimmung. Wir zeigen gemeinsame Ziele und Wege auf, die unsere ZuhörerInnen persönlich ansprechen. Wir formulieren Wünsche und Visionen für die Zukunft: "Lasst uns jetzt gemeinsam ..."; "Wenn jeder und jede einzelne mitmacht, dann ..."

Die Rede (Actio)

Tritt fest auf,
mach's Maul auf,
hör bald auf!
Martin Luther

Andere Gliederungsarten für eine Rede

Wir haben das "Standard-Schema" beschrieben, um eine Rede zu gliedern. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten eine Rede zu strukturieren: das AIDA-Schema.

Hier sollen die Zuhörer und Zuhörerinnen zum Handeln motiviert werden.
Eingangs werden die Hörer und Hörerinnen zum Thema hingezogen, in der Mitte werden sie interessiert, und am Ende entweder motiviert und/oder sie kennen die wichtigsten Aspekte der Rede. An sich keine Abweichung vom "Standard-Schema". Das "AIDA"- Schema enthält aber statt den drei Abschnitten Einleitung, Hauptteil und Schluss vier Teile: Der vierte Teil resultiert daraus, dass der Einleitungsteil in zwei Abschnitte zerlegt wird.

"AIDA" bedeutet:

A für Aufmerksamkeit | attention

Der Redner oder die Rednerin wird zunächst versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Um die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen zu erreichen ist z.B. eine Anekdote oder ein Zitat ein gutes Mittel. Der Redner muss neugierig machen und die Zuhörer "geistig fesseln".

I für Interesse | interest

Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die Hörer auch für das, was der Redner oder die Rednerin zu sagen hat, interessieren. Deshalb muss er/sie die ZuhörerInnen jetzt für den Hauptteil der Rede interessieren. Da kann eine rhetorische Frage sehr behilflich sein.
Wenn das Interesse der Hörer geweckt ist, geht der Redner oder die Rednerin zum Hauptteil und zum Schluss über.

D für Wunsch | Desire

A für Aktion - Handlung | Action

AIDA/AITA-Schema

Die schon erwähnte Kommunikationstrainerin Vera F. Birkenbihl hat die Variante "AITA" in die Rhetorik-Literatur eingebracht: "T" wie Theorie. Wer Informationen anbieten möchte, läuft Gefahr, diese langweilig, trocken oder unverständlich zu bringen. Daher soll uns das "T" daran erinnern, dass Theorie leicht verständlich, also "hirngerecht" aufbereitet werden kann.

Was heißt nun "hirngerecht" aufbereiten?
Wir müssen uns vorstellen, dass es zwei verschiedene Gehirnhälften gibt:

  • Die linke Gehirnhälfte ist die begrifflich denkende, sachliche.
  • Die rechte Gehirnhälfte ist die bildhaft denkende, kreative.

Noch stärker vereinfacht: Die linke Gehirnhälfte ist das "Was", die rechte das "Wie". "Hirngerecht" aufbereiten heißt nun: Das Zusammenspiel beider Gehirnhälften zu fördern. Ein Zusammenhang wird durch bildhaftes Sprechen einerseits, andererseits durch Analysieren und Abstrahieren hergestellt.

Beispiele für unterschiedliche Arten von Reden

Es gibt verschiedene Arten von Reden, die jeweils unterschiedliche Redegliederungen haben. Nehmen wir als Beispiele: Eröffnungsrede, Tätigkeitsbericht, (Kurz-)Referat und Ehrung. In der Praxis haben sich vor allem für Betriebsräte folgende Gliederungen bewährt:

Eröffnungsrede:

  1. Eröffnung der Versammlung
  2. Begrüßung der Gäste und TeilnehmerInnen
  3. Kontakt zu ZuhörerInnen aufbauen, z.B. Danken für das zahlreiche Erscheinen
  4. Tagesordnung
  5. Jemanden das Wort erteilen

Tätigkeitsbericht:

  1. Einstieg
  2. Rückblick, z.B.: Was hat der Betriebsrat das letzte Jahr geleistet?
  3. Bedeutung der Arbeit, die geleistet worden ist, unterstreichen: Welche Auswirkungen hat die gute Arbeit auf die oder den Einzelne/n oder die Gesamtheit der ArbeitnehmerInnen?
  4. Missstände aufzeigen: Welche davon konnten noch nicht beseitigt werden und warum?
  5. Vorschlag: Wie könnten diese Missstände beseitigt werden?
  6. Zukunft: Was wird in Angriff genommen werden?

(Kurz-)Referat:

  1. Einstieg
  2. Hauptteil: Rückblick, Ausblick, Zukunft: Verbesserungsvorschläge
  3. Schluss: Appell; Aufforderung den Weg gemeinsam zu beschreiten

Ehrung:

  1. Grund der Ehrung
  2. Rückschau: Werdegang und Leistungen des/der Geehrten
  3. Überleitung zur Gegenwart: der/die Geehrte heute
  4. Zukunft: Vorausschau, alles Gute wünschen; an diesem Punkt wird auch die Auszeichnung überreicht

Tipps für die freie Rede

Verständlichkeit

Die Rede einfach und verständlich zu machen, bedeutet unter anderem auch:

  • Reden in einer klaren, einfachen Sprache, in kurzen Sätzen, möglichst in Hauptsätzen, und Schachtelsätze vermeiden.
  • Beim Sprechen Bilder verwenden, Geschichten, Vergleiche, Analogien.
  • Die Lautstärke situationsgerecht dem Publikum anpassen (Saalverhältnisse/Mikrofon), Spannung erzeugen, Lautstärke wechseln, Monotonie vermeiden.
  • Z.B. sind rhetorische Fragen die Würze eines Vortrags. Sie bringen eine gewisse Dramatik in die Rede, veranlassen den Zuhörer oder die Zuhörerin dazu, in eine bestimmte Richtung weiterzudenken und/oder sind gute Überleitungen.

Die Sprachgestaltung (Elocutio)

Sprachgestaltung ist das Ausformulieren der Rede - schriftlich, mündlich oder nur in Gedanken. Der Redner sucht in Wortwahl, Satzbau und Stil nach der angemessenen Ausdrucksweise. Hauptsache verständlich!

Das Merken (Memoria)

Merkphase: Die Aneignung der Rede durch das Gedächtnis. Meist stützt sich der Redner auf eine Textvorlage oder einzelne Stichworte. Eine Rede sollte nicht auswendig gelernt werden. Gut einprägen sollte der Redner sich aber die Einleitung, einzelne Höhepunkte der Rede und den gezielten Schluss-Satz. Gerade der Ein- und der Ausstieg gehören nämlich zu den wichtigsten Momenten einer Rede. In der einschlägigen Literatur wird daher oft auch "Einleitung" und "Schluss" mit "Start" und "Landung" bei einem Flugzeug verglichen.

Freies Sprechen mit Netz

Überzeugend reden heißt frei reden. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Rede vollkommen aus dem Gedächtnis vortragen muss:
Stichwortzettel als Gedächtnisstütze helfen, die innere Struktur der Rede zu verfolgen, und geben dem Redner gleichzeitig auch eine gewisse Sicherheit.

Beachte aber als Redner oder Rednerin:

  • Benutze Stichwortkarten im DIN-A6-Format - sie sind handlich, erlauben es aber auch, die Stichpunkte in ausreichender Größe darzustellen.
  • Beschreibe immer nur eine Seite der Karten - ein Durcheinander der Zettel wäre sonst vorprogrammiert.
  • Schreibe jeweils nur einen Hauptgedanken auf eine Karte - so kannst du dich voll und ganz auf diesen Gedanken konzentrieren.
  • Schreibe nur Stichworte auf eine Karte - ausformulierte Sätze bringen dich leicht aus den Redefluss.
  • Hebe die wichtigsten Stichworte z.B. farblich hervor - so wirst du daran erinnert, diese Punkte zu betonen.
  • Nummeriere deine Karten - falls die Karten durcheinandergeraten, kannst du die Reihenfolge leicht wieder herstellen.

Das Probesprechen

Beim abschließenden Probesprechen werden

  • Lautstärke,
  • Betonung
  • Pausentechnik
  • Gestik,
  • Mimik und
  • Haltung

geübt.

Auch das Ausprobieren der Visualisierungshilfen und eine Zeitkontrolle gehören zu dieser letzten Vorbereitungsphase.



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