Die historische Entwicklung der Kommunikation
Aus WIGBIT
Die Epochen der Entwicklung der Kommunikations- und Medienabfolge kann folgendermaßen grob zusammengefasst werden:
Inhaltsverzeichnis |
Oralität
Ausschließlich mündliche Kommunikation
Die erstaunliche Entwicklung von einfachen Lautäußerungen zur komplexen menschlichen Sprache vollzog sich im Dunkel der menschlichen Urgeschichte; unsere diesbezüglichen Erkenntnisse sind bescheiden. Eines jedoch ist sicher: mit der Sprache wurde eine neue Qualität der Kommunikationsfähigkeit erreicht, die uns von allen anderen Lebewesen der Erde unterscheidet. In der Evolutionsgeschichte war hierfür die – mit der Sprachentstehung einhergehende – Ausprägung des Kehlkopfs und des Sprachzentrums im Gehirn ausschlaggebend.
Ohne auf die nonverbale Kommunikation (Gestik und Gebärden, Rauchzeichen der Indianer, Zeichensprache der Taubstummen und ähnliches) zu vergessen: Der allergrößte Teil des menschlichen Gedankenaustausches erfolgt über die Sprache. Sie bildet auch den Rahmen für die kulturelle Entwicklung; mit ihr wird das Wissen weitergegeben, und in vortechnischer Zeit hat die mündliche Überlieferung oftmals den Zeitraum vieler Jahrhunderte überspannt.
Literalität
Die Erfindung der Schrift / schriftliche Kommunikation
Auf den ersten "biologischen" Schritt, die Entstehung der Sprache, folgte nun ein zweiter, "kultureller", die Erfindung der Schrift. Literalität ist im Laufe der vergangenen sechs Jahrtausende erfolgt; die ältesten Schriftarten finden wir im Zweistromland (sumerische Keilschrift im heutigen Irak) und in Ägypten (altägyptische Bilderschrift). Die Entwicklung der verschiedenen Schriftsysteme können wir ganz gut nachvollziehen: die Phönizier vor 3000 Jahren hatten bereits eine Lautschrift (allerdings noch "mangelhaft": ohne Selbstlaut-Zeichen), die alten Griechen und Römer hatten schon "richtige" Buchstabenschriften (mit Zeichen für Konsonanten und Vokale). Die heute vorwiegend verwendeten "Kleinbuchstaben" entstanden im frühen Mittelalter (sind also erst 1000 Jahre "jung").
Die kommunikativen Möglichkeiten der Schrift veränderten die menschliche Kultur nachhaltig; dessen ungeachtet blieb aber die Fähigkeit, die Schriftzeichen zu gebrauchen und zu lesen, zunächst großteils auf eine schmale, im Mittelalter meist klerikale Oberschicht beschränkt; schriftliche Dokumente waren selten und teuer.
Buchdruck
Der erste Schritt zur Massenkultur
Dies änderte sich erst mit der Erfindung des Buchdrucks. Sie ist die erste von drei Stufen technischer Neuerungen, die die Kommunikation und damit auch die menschliche Kultur und Zivilisation maßgeblich umgestaltet haben.
Nachdem die Kenntnis der Schrift jahrtausendelang einer schmalen Oberschicht vorbehalten war, leitete die Rationalisierung des Buchdrucks um 1450 eine Entwicklung zu fortlaufend größerer Breitenwirkung ein. Heute ist schriftliche Information alltäglich; der wichtigste Zwischenschritt auf dem Weg dahin war wohl die allgemeine Alphabetisierung mit Einführung der Schulpflicht im 18. Jahrhundert, aber schon kurz nach der Erfindung des Buchdrucks erreichten Flugschriften und Bücher eine Auflage von 1000 Stück und mehr – kein Vergleich zu den Jahren vorher, als jedes Schriftstück mühsam händisch abgeschrieben werden musste.
So wurde mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (ca. 1400 bis 1468) der Grundstein für die Massenkommunikation gelegt und Bildung nach und nach allgemein zugänglich.
Kommunikative Neuerungen
Ära der Elektrizität
Mit der Kenntnis und Nutzbarmachung der Elektrizität im 19. Jahrhundert ergeben sich etliche neue Kommunikationsmöglichkeiten:
Telegraf (1809), Telefon (1876 patentiert), Kinematografie (1895), Rundfunk – in kurzen Abständen folgten weitere Entwicklungen (Tonband, Fernsehen, Fax, PC, Internet, multimediale Nutzung, kleine Datenträger etc.) und jede dieser Erfindungen brachte einen neuen Impuls in die menschliche Zivilisation. Ein neuer Begriff war entstanden:
Telekommunikation (griech. tele = fern und lat. communicare = gemeinsam machen, mitteilen)
Der französische Autor Albert Robida (1848 bis 1926) setzte sich in seinen Science-Fiction-Romanen und Zeichnungen mit dem Phänomen der Telekommunikation auseinander und zeichnete schon zur Jahrhundertwende Karikaturen, die eine mit Kabeln und Drähten vollgestopfte Welt zeigen. Die Verdrahtung und Verkabelung ist heute physisch zwar nicht so präsent wie in seinem Bild "La Vie Electrique", tatsächlich befinden wir uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch in einer Welt, in der praktisch alles mit allem vernetzt ist.
Computer und Internet
Die Erfindung eines digitalen Rechners erfolgte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Der erste funktionierende Computer war eine riesige Anlage in Wohnzimmergröße und keiner dachte bei dieser hochtechnologischen Maschine an eine Verwendung in Büro und Haushalt. IBM, der damals weltgrößte Büromaschinenhersteller, erwog eine kommerzielle Nutzung. Doch die Rechenleistung dieses ersten Computers war so ungeheuer groß (und auch seine Kosten), dass im Jahr 1943 der damalige IBM-Chef Thomas J. Watson die Vermutung äußerte, der Bedarf an Computern würde weltweit vielleicht bei fünf Stück liegen.
Nun, das war wohl etwas zu tief geschätzt. Auch das Millionenfache wäre noch viel zu wenig. Heute, nach einer rasanten Entwicklung, finden wir Computertechnologie nicht nur im PC oder Laptop, sondern auch Autos, Haushaltsgeräte und Maschinen in Betrieben funktionieren auf dieser Basis.
Im Gefolge der Computerentwicklung entstand auch das Internet, dessen Geschichte im Folgenden etwas genauer dargestellt wird.
Chronologie Internet
- 1962 Arpanet – Internet
Aus dem 1962 gestarteten Projekt "Arpanet" (ARPA = Advanced Research Project Agency) des US-Verteidigungsministeriums entwickelte sich bis 1969 das Internet. Bei diesem Projekt standen ursprünglich die Vernetzung amerikanischer Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie die optimale Nutzung ihrer knappen Rechnerkapazitäten im Vordergrund. Umstritten ist die These, dass Arpanet entwickelt wurde, um im Falle eines Atomkriegs mit einem dezentralen Netzwerk operieren zu können. Demnach wäre der Kalte Krieg Anlass der Suche nach Möglichkeiten gewesen, die Verbindung zwischen den einzelnen Standorten zu sichern, die auch bei teilweisem Netzwerkverlust gewährleistet bleiben sollte. - 1982 Internet und E-Mail
Schließlich setzte sich der Name "Internet" durch und Ende der 80er Jahre wurde die elektronische Nachricht – die E-Mail (electronic mail) zur wichtigsten Funktion. - 1989 World Wide Web
WWW – das Netz wie wir es kennen, wurde vom britischen Forscher Tim Berners-Lee entscheidend mitentwickelt. Er und viele andere schufen damit ein einfach nutzbares System für jedermann, das auch kommerziell verwendet werden kann. - 1993 Freigabe des WWW
Am 30.04.1993 wurde das World Wide Web zur allgemeinen Benutzung freigegeben.
Vielfach werden "Internet" und "World Wide Web" synonym verwendet, dies ist aber nicht richtig. Das WWW ist ein über das Internet abrufbares Hypertext-System, welches auch für Laien praktikabel ist. Wenn von Netz oder Web gesprochen wird, ist im Allgemeinen das WWW gemeint. - 2001 Das Platzen der so genannten Dotcom-Blase
Ab 1995 wurde das Web nach und nach im großen Stil kommerziell genutzt. Es gab einen ersten Web-Hype: Firmen eroberten das Web, zunehmend wurden dynamische Seiten entwickelt (dot.com-Firmen). Die Entwicklung und der damit in Zusammenhang stehende wirtschaftliche Faktor werden häufig der "New Economy" zugeordnet. Die großen Erwartungen in die IT-Branche führten Ende der 1990er Jahre zu hoher Spekulationsfreude bei den AnlegerInnen. Da diese Gewinnerwartungen in absehbarer Zeit nicht erfüllt werden konnten, platzte die Spekulationsblase und es kam zu enormen Vermögensverlusten. - bis heute: Web 2.0
BenutzerInnenfreundliche Oberflächen und schneller Internetzugang (Breitbandanschluss) begünstigen die Weiterentwicklung des Webs in Richtung "Mitmach-Web". Der Begriff Web 2.0 steht für die Entwicklungen in diesem Zusammenhang.
Die wichtigsten Eckdaten in der Zusammenfassung:
| Die Medienrevolution | Die Massenmedien |
|---|---|
| Einteilung nach dem Kommunikationswissenschaftler Marshall Mc Luhan: | Definition nach dem Soziologen Niklas Luhmann: |
| 1. Ausbildung der Sprache 2. Erfindung von Schriftsystemen 3. Erfindung des Buchdrucks 4. Zeitalter der Telekommunikation | Alle Einrichtungen der Gesellschaft, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel bedienen Presse, Hörfunk und Fernsehen werden heute stark vom Medium Internet ergänzt. Die Begriffe Massenmedien und Massenkommunikation wurden mit Aufkommen des Hörfunks in den 1920er Jahren geprägt. |
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