Die Bilanz

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Bild:bilanza_1.jpg

In diesem Kapitel erfährst du mehr über

  • die Grundstruktur der Bilanz sowie
  • die Vermögens- und Kapitalseite

mit einfachen Kennzahlen und wichtigen Hinweisen für deine Betriebsratstätigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Die Grundstruktur einer Bilanz

Eine Bilanz ist die wertmäßige Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Auf der linken Seite der Bilanz (Vermögensseite, Aktiva) werden alle Vermögensgegenstände eines Unternehmens aufgelistet. Die rechte Seite (Kapitalseite, Passiva) informiert darüber, wie die Vermögensgegenstände finanziert wurden, also woher die Mittel stammen.

Vermögen (Aktiva)Kapital (Passiva)
Diese Seite zeigt, wie das vorhandene Kapital eingesetzt bzw. verwendet wird.Diese Seite zeigt, von wo die Mittel der Unternehmung herkommen.
Beispiele:
  • Grundstücke, Gebäude, Maschinen
  • Wertpapiere
  • Vorräte
  • Bankguthaben, Bargeld
Beispiele:
  • Eigenkapital (von Eigentümern)
  • Fremdkapital (von Banken, Lieferanten)

Sowohl die Vermögensseite als auch die Kapitalseite der Bilanz werden nach bestimmten Kriterien gegliedert.

Die Vermögensseite wird nach der Gebundenheit der Vermögensgegenstände in das Anlage- und Umlaufvermögen gegliedert.Die Kapitalseite andererseits wird nach den Quellen bzw. der rechtlichen Form des Kapitals in das Eigenkapital und Fremdkapital unterteilt.

Die Summe der Vermögenswerte auf der linken Seite der Bilanz muss immer so hoch sein, wie die Summe der Kapitalwerte auf der rechten Seite. Dies deshalb, da sich beide Seiten der Bilanz auf denselben Vermögenswert beziehen: auf das in der Unternehmung insgesamt eingesetzte Kapital.

Bild:Musterbilanz.gif

Vermögen

Anlagevermögen

Zum Anlagevermögen zählen alle Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb auf eine längere Dauer – also mehreren Produktionsperioden – dienen. Das Anlagevermögen wird gebraucht, d. h. dass zwar durch die Verwendung des Wirtschaftsgutes eine Wertminderung (Abschreibung) stattfindet, die wesentlichen Substanzmerkmale aber unverändert bleiben.

Sachanlagen
Hier werden die für die Produktion bzw. Leistungserstellung notwendigen Betriebsmittel dargestellt. Diese Gegenstände sollen langfristig im Unternehmen bleiben. Mit Ausnahme der Grundstücke werden die Sachanlagen durch den Gebrauch im Rahmen des Produktionsprozesses wertgemindert. Diese Wertminderung wird Abschreibung genannt.
z. B. Grundstücke, Gebäude, technische Anlagen, Maschinen, Fuhrpark, Geschäftsausstattung

Immaterielle Anlagen
Hier handelt es sich um „nicht-materielles“ Vemögen. In die Bilanz dürfen allerdings nur käuflich erworbene Rechte aufgenommen werden, also keine selbst erstellte Software.
z. B. Rechte, EDV-Software, Patente, Konzessionen

Finanzanlagen
z. B. Wertpapiere, Beteiligungen

Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen wird aus Vermögensteilen gebildet, die gewöhnlich innerhalb einer kürzeren Zeitspanne umgeformt oder umgesetzt werden. Diese Vermögensteile stehen nicht dauernd dem Geschäftsbetrieb zur Verfügung. Das Umlaufvermögen ändert also ständig seine Zusammensetzung.

Vorräte
Vorräte dienen der Umsatzerzielung des Unternehmens. z. B. Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate, Handelswaren

Forderungen
Bei Forderungen handelt es sich um Außenstände von Kunden oder Konzernunternehmen oder anderen Schuldnern.

Kassa, Bankguthaben, Schecks
Diese Bestände werden auch liquide Mittel bezeichnet. Sie sind "flüssige Mittel", also Geld im weiteren Sinne.

Kapital

Eigenkapital

Zum Eigenkapital gehören alle Mittel, die dem Unternehmen von den EigentümerInnen (AktionärInnen bzw. GesellschafterInnen) zur Verfügung gestellt werden sowie die im Unternehmen erwirtschafteten und nicht an die Eigentümer ausgeschütteten Gewinne (Rücklagen). Es stellt das Fundament der betrieblichen Finanzierung dar und steht dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung.

Die Höhe des Eigenkapitals ist von der Bereitschaft der Eigentümer, dem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, abhängig. Es hat für die Krisenfestigkeit des Unternehmens eine große Bedeutung, weil Verluste durch Eigenkapital ‚aufgefangen’ werden. D. h. je besser die Eigenkapitalausstattung, umso mehr Risikopolster ist vorhanden, um Krisenjahre zu überstehen. Ist das Eigenkapital aufgebraucht (d. h. null oder negativ), besteht Insolvenzgefahr.

Nennkapital

Stellt jenes Eigenkapital dar, welches ursprünglich in das Unternehmen eingebracht wurde.

Rücklagen
Rücklagen sind erwirtschaftete Gewinne der vergangenen Jahre, die nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet wurden. Gewinne, die nicht ausgeschüttet werden, sowie Kapitalzuführungen erhöhen das Eigenkapital.

Bilanzgewinn
Das ist jener Teil des Jahresüberschusses, der für das laufende Geschäftsjahr maximal an die Eigentümer ausgeschüttet werden darf.

Fremdkapital

Zum Fremdkapital gehören alle Mittel, die dem Unternehmen von Gläubigern (Banken, Lieferanten, Finanzamt, Arbeitnehmer etc.) in Form von Krediten, Darlehen usw. zur Verfügung gestellt werden.

Verbindlichkeiten
Das sind Schulden des Unternehmens, deren Höhe und in der Regel auch deren Fälligkeit bekannt sind (z. B. Bankschulden, Schulden an Lieferanten oder an das Finanzamt).

Rückstellungen
Das sind jene Schulden, bei denen das Unternehmen zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung nicht exakt weiß, wie hoch sie tatsächlich sein werden. Typische Beispiele dafür sind Schulden an die Belegschaft etwa aus zukünftigen Abfertigungs- oder Pensionsansprüchen, Steuerrückstellungen, Prozesskosten etc.

Kennzahlen und Analyse

Anlagenintensität

Die Anlagenintensität gibt an, wie hoch der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen ist. Sie ist stark von der jeweiligen Branche abhängig.

Anlagenintensität = Anlagevermögen / Gesamtvermögen x 100

Das Anlagevermögen belastet das Unternehmen mit Kosten (etwa Abschreibungen, Zinsen etc.), die auf Grund der langfristigen Bindung dieses Vermögens nicht von heute auf morgen reduziert werden können. Zusätzlich entstehen diese Kosten unabhängig von der jeweiligen Kapazitätsauslastung (Fixkosten). Je höher nun das Anlagevermögen ist, desto höher werden auch die Fixkosten.

Zu Problemen führt dies vor allem in wirtschaftlich schwächeren Jahren. Sinkenden Umsatzerlösen stehen dann gleich bleibende Kosten gegenüber, wodurch sich die Ertragslage verschlechtert. Eine zu hohe Anlagenintensität kann sich insofern negativ auswirken, da das Anlagevermögen bei Zahlungsschwierigkeiten nur schwer veräußert werden kann, um den Zahlungsengpass zu überbrücken.

Eine sinkende Anlageintensität könnte auf eine nachlassende Investitionsbereitschaft hindeuten, was mit der Gefahr einer Veralterung der Anlagen verbunden ist. Gleichzeitig könnte dies auf eine Änderung der Geschäftspolitik hinweisen (Leasing statt Kauf). Leasingverpflichtungen werden nicht in der Bilanz ausgewiesen.

Musterbeispiel

Aktuelles Jahr

Anlagevermögen / Gesamtvermögen x 100

7.000 / 10.000 x 100

= Anlagenintensität

= 70%

Hier kannst du die Angaben mit der Bilanz der Muster GmbH vergleichen.

Interpretation
Der Anteil des Anlagevermögens beträgt 70%. Es handelt sich damit um einen anlagenintensiven Betrieb.

Betriebserfolg

Die Analyse des Betriebserfolges, d. h. die Erforschung der Ursachen einer Erfolgsverbesserung bzw. -verschlechterung, wird mit Hilfe der Aufwandsstruktur durchgeführt. Dabei werden die Anteile der jeweiligen Aufwendungen am Umsatz miteinander verglichen. Negativ wirken sich dabei alle Aufwendungen aus, deren Anteil am Umsatz steigt. Ergebnisverbessernd wirken sich dagegen Aufwendungen mit sinkenden Anteilen aus.

Bild:Aufwandstruktur.gif

Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.

Interpretation

  • Die sehr gute Entwicklung des Betriebserfolges ist bei gleich bleibendem Umsatz auf Einsparungen beim Personalaufwand (-20%) und bei den sonstigen Betriebsaufwendungen (-26%) zurückzuführen.
  • Einen markanten Anstieg von +14% verzeichnete der Materialaufwand. Dies weist darauf hin, dass das Beispielunternehmen unter einem Preisdruck litt.
  • Ebenfalls belastend auf den Betriebserfolg wirkten sich die Abschreibungen (+11%) aus; dies könnte durch die höheren Investitionen bedingt sein.

Steigendes Umlaufvermögen

aufweist, da das Umlaufvermögen in aller Regel binnen kurzer Zeit "verflüssigt" (d. h. zu Geld gemacht) werden kann und eine Rückzahlung der Schulden erlaubt.

Steigendes Umlaufvermögen darf jedoch nicht generell positiv beurteilt werden. Die Interpretation soll davon abhängig gemacht werden, welche Ursachen den Zuwächsen zugrunde liegen. Dies soll kurz bei den Forderungen und Vorräten illustriert werden.


Forderungen

Eine Erhöhung des Forderungsbestandes hat zumeist eine Umsatzerhöhung zur Grundlage. Gleichzeitig könnte dies jedoch auch mit einer nachlassenden Zahlungsmoral der Kunden in Zusammenhang stehen, was etwa eine Straffung des betrieblichen Mahnwesens erfordern würde.

Die Unternehmung wird durch zu hohe Forderungsbestände jedenfalls gezwungen, Zwischenfinanzierungen (in der Regel teure kurzfristige Bankkredite) zu tätigen, wodurch ebenfalls eine Kostenbelastung entstehen kann, die auf die Ertragslage drückt.

Lagerdauer von Vorräten

Lagerdauer = Vorräte / Umsatz x 365

Ein ansteigender Vorratsbestand kann einerseits die Folge einer Umsatzausweitung sein, andererseits können aber auch "Ladenhüter" – also Produkte, für die kein Abnehmer gefunden wird – bzw. generelle Absatzschwierigkeiten die Ursache sein. Oft sind zu hohe Lagerbestände auch die Folge einer zu vorsichtigen Lagerhaltungspolitik des Unternehmens. Für die Unternehmung entstehen dadurch unnötige Kosten (Miete, Zinsen etc.).

Die Lagerpolitik eines Unternehmens kann mit Hilfe der Kennzahl "Lagerdauer" besser beurteilt werden. Diese besagt, wie viele Tage die vorhandenen Vorräte durchschnittlich auf Lager liegen.

Musterbeispiel Vorjahr Aktuelles Jahr
Vorräte / Umsatz x 365 150 / 1.000 x 365 200 / 1.000 x 365
= Lagerdauer = 55 Tage = 73 Tage

Hier kannst du gleichzeitig die Bilanz der Muster GmbH ansehen.

Interpretation
Die Lagerdauer im aktuellen Jahr liegt bei 73 Tagen, d. h. die Vorräte verweilen 73 Tage auf Lager bevor sie verkauft werden. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechterte sich - aufgrund des höheren Vorratsbestandes - die Lagerdauer um 18 Tage. Der Branchendurchschnitt liegt bei 50 Tagen. In Bezug auf die Lagerhaltung könnten somit bei dem Beispielunternehmen Kostennachteile bestehen.

Eigenkapitalquote

Mit Hilfe der Eigenkapitalquote und der Liquidität kann man die finanzielle Stabilität eines Unternehmens untersuchen. Das Eigenkapital ist für die Existenz eines Unternehmens notwendig. Je höher das Eigenkapital, desto mehr Risikopolster ist vorhanden.

Die Bewertung des Eigenkapitalanteils ist abhängig

  • von der Branchenzugehörigkeit,
  • vom Geschäftsrisiko und
  • der Anlagenintensität.

Ein Eigenkapitalanteil von über 30% weist jedenfalls auf eine gute Eigenkapitalausstattung hin. Liegt der Eigenkapitalanteil unter 8%, muss er als unzureichend eingestuft und eine Unternehmenskrise vermutet werden. Ist das Eigenkapital aufgebraucht (d. h. null oder negativ), droht dem Unternehmen eine Insolvenz.

Musterbeispiel Aktuelles Jahr
Eigenkapital / Gesamtkapital x 100 1.000 / 10.000 x 100
= Eigenkapitalquote = 10%

Hier kannst du gleichzeitig die Bilanz der Muster GmbH ansehen.

Interpretation
Das Unternehmen hat eine wenig zufrieden stellende Eigenkapitalquote von 10%. Der finanzielle Polster um Verluste aufzufangen, ist damit gering. Im Industriedurchschnitt liegt die EK-Quote bei 35%.

Liquidität

Neben der Eigenkapitalausstattung ist auch die Liquidität von großer Bedeutung für den Bestand eines Unternehmens. Es geht dabei um die Frage, ob die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gesichert ist, ob also fällige Schulden jederzeit bezahlt werden können. Die Liquidität ist dann gesichert, wenn das kurzfristige Umlaufvermögen zumindest gleich hoch ist wie das kurzfristige Fremdkapital. Die Liquidität sollte bei 100% liegen, damit die Zahlungsfähigkeit jeden­falls kurzfristig gesichert ist.

Das kurzfristige Umlaufvermögen ist jenes Vermögen, das relativ rasch "verflüssigt" – d. h. zu Geld gemacht – werden kann. Dazu gehören

  • Kassa,
  • Bankguthaben,
  • Schecks und
  • Forderungen.

Vorräte werden nicht zum kurzfristigen Umlaufvermögen gezählt. Kurzfristiges Fremdkapital ist innerhalb von einem Jahr fällig.

Musterbeispiel Aktuelles Jahr
Kurzfr. Umlaufvermögen / Kurzfr. Fremdkapital x 100 2.800 / 6.000 x 100
= Liquidität = 47%

Hier kannst du gleichzeitig die Bilanz der Muster GmbH ansehen.

Interpretation
Die Liquidität in der Höhe von 47% zeigt, dass die kurzfristigen Schulden bedeutend höher sind als das kurzfristig verflüssigbare Umlaufvermögen (Forderungen und liquide Mittel). Es ist somit nicht gewährleistet, dass die kurzfristigen Schulden jederzeit bezahlt werden können, es droht die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. Es ist notwendig, diese Kennzahl regelmäßig zu überprüfen, damit keine Zahlungsschwierigkeiten entstehen können.


Siehe auch:


Persönliche Werkzeuge