Beispiel Pharmamio

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Dieses fiktive Beispiel zeigt auf, wie ein Betriebsrat betriebliche Öffentlichkeitsarbeit praktisch umsetzen kann.

Inhaltsverzeichnis

Worum geht's? - Analyse

Der Betriebsrat der fiktiven Pharmamio AG ist über Gerüchte beunruhigt. In der Branche wird über eine feindliche Übernahme des Pharma­unternehmens spekuliert. Zur Vorbereitung einer möglicherweise für die Beschäftigten schwie­rigen Situation erstellt der Betriebsrat einen Krisenplan. Teil davon ist ein Kommuni­kations­konzept. Ein Mitglied des Betriebsrats schildert, wie der Betriebsrat dabei vorgeht.



Audiobeitrag 1 (0:33 Min, 520 kb)

Hier geht es zur Textversion des ersten Audios.

Grundsätzlich: Öffentlichkeitsarbeit kann keine Krise lösen. Sie ist kein Ersatz für strategische Planung und auch kein Ersatz für Handlungen und Verhandlungen. Ein Kommu­nikations­konzept kann aber Teil eines Krisenplans sein und beim Weg aus der Krise unterstützen. Krisen sind ein Härtefall für jede Betriebsratsarbeit. Es lohnt sich, sie im Voraus zu erkennen und mögliche Szenarios durchzuplanen. So ist man beim tatsächlichen Eintreten der Krise besser vorbereitet und kann souveräner agieren.

Wenn eine Krise droht: Während und vor der Krise sollte der Betriebsrat unbedingt jene Informationen einfordern, die zu geben die Unternehmensleitung gesetzlich verpflichtet ist. ExpertInnen aus Gewerkschaft und Arbeiterkammer können dabei helfen, die Situation richtig einzuschätzen und Handlungsmöglichkeiten zu definieren.

Für die Analyse der Ist-Situation sammeln die Betriebsratsmitglieder gemeinsam alle verfügbaren Informationen. Dann wird ein wahrscheinliches Krisen-Szenario definiert, es lautet folgendermaßen: Feindliche Übernahme durch den Marktführer. Die Übernahme findet zu Konditionen statt, die für die Beschäftigten von Pharmamio unvorteilhaft sind. Kündigungen drohen.

Am Beispiel dieses Szenarios schildern wir hier den Aufbau eines Kommunikationskonzepts in der Krise. Für den Betriebsrat wird es wichtig sein, auch andere, mögliche Szenarien zu definieren und eventuell mehrere parallele Krisenpläne auszuarbeiten.



Audiobeitrag 2 (0:19 Min, 311 kb)

Hier geht es zur Textversion des zweiten Audios.

Der Betriebsrat teilt die Krise in mehrere Phasen ein:

  • Die Präventionsphase,
  • die Früherkennungsphase,
  • die Kriseneindämmungsphase und
  • die Erholungsphase.
  • Am Schluss gibt es eine Phase, die „Lernen aus der Krise“ heißt.

Dann legt er Handlungsmöglichkeiten für verschiedene Phasen der Krise fest.

In der Präventionsphase sieht das Ziel folgendermaßen aus: Erweitern der bestehenden MitarbeiterInnen-Beteiligung an Pharmamio auf mindestens 10 Prozent aus strategischen Gründen. Die 10-Prozent-Marke soll innerhalb von 3 Jahren erreicht werden. Bis dahin gelten für die darauf folgenden Phasen noch Ziele, die von einer geringeren MitarbeiterInnen-Beteiligung ausgehen.



Audiobeitrag 3 (0:35 Min, 549 kb)

Hier geht es zur Textversion des dritten Audios.

Was wir wollen - Ziele

Erst jetzt geht es um das Kommunikationskonzept. Es ist Teil des Krisenplans.

Das Kommunikationsziel im Krisenplan lautet in der Präventionsphase folgendermaßen: Werbung für eine stärkere MitarbeiterInnen-Beteiligung. Ziel ist es, dass in 3 Jahren 10 Prozent des Unternehmens in der Hand der Beschäftigten sind.

Wen wir ansprechen - Zielgruppen

Das Ziel der Präventionsphase ist eine stärkere MitarbeiterInnen-­Beteiligung. Es bindet folgende Zielgruppen ein:

  • Die MitarbeiterInnen:

Das Ziel: Die Beschäftigten sollen verstehen, dass ihre Beteiligung an Pharmamio wichtig ist. Sie sollen Teile ihres Entgelts in Aktien umwandeln, so dass sie in 3 Jahren 10 Prozent des Unternehmens halten.

  • Die Personalverantwortliche im Management:

Das Ziel: Die Personalverantwortliche im Management soll ab kommenden April die MitarbeiterInnen-­Beteiligung als Motivationsanreiz bewerben.

  • Die Unternehmensleitung:

Das Ziel: Die Unternehmensleitung soll ab kommenden April die AbteilungsleiterInnen anweisen, Aktien als Motivationsanreize einzusetzen.

Kommunikationsmittel

Für die Zielgruppe der Beschäftigten verwendet der Betriebsrat alle bisherigen Kommunikationsmittel. Diese sind:

  • Betriebsratsbereich im Intranet des Unternehmens
  • Pop-­Up-Fenster am Bildschirm zu aktuellen Anlässen (mit Verweisen auf das Intranet)
  • Newsletter: ein-­ bis zweimal im Monat per E-­Mail
  • Schwarze Bretter in den Pausenbereichen
  • Sticker und Plakate in der Kantine
  • 2 Seiten im MitarbeiterInnenmagazin des Unternehmens
  • Persönliche Gespräche
  • Regelmäßige Events (Filmvorführungen etc.)
  • Geschenke an die Beschäftigten zu besonderen Anlässen (Jubiläen, Festtage)

Zusätzlich wird ein „Beteiligungs-­Barometer“ in der Kantine eingerichtet, das jeden Tag den Aktien-­Anteil der Beschäftigten an Pharmamio anzeigt und bei knapp über 10 Prozent endet. Werden die 10 Prozent erreicht, wird der Betriebsrat ein großes Fest für alle Beschäftigten organisieren.



Audiobeitrag 4 (0:14 Min, 227 kb)

Hier geht es zur Textversion des vierten Audios.

Was unternimmt der Betriebsrat nun?

  • Die Personalverantwortliche im Management soll durch Best-Practice-Beispiele von anderen Unternehmen überzeugt werden, die MitarbeiterInnen-Beteiligung stärker zu bewerben. Der Betriebsrat stellt eine Info-Mappe zusammen.
  • Für die Unternehmensleitung fasst der Betriebsrat die Informationen aus der Mappe kurz zusammen.


Audiobeitrag 5 (0:36 Min, 571 kb)

Hier geht es zur Textversion des fünften Audios.

Für einen besseren Überblick erstellt der Betriebsrat eine Tabelle, die den Einsatz der Kommunikationsmittel zeigt. Die Tabelle ist als Multiple-Choice-Test hier abgebildet. Mit den bisherigen Informationen aus dem Text und den Erzählungen des Betriebsrats solltest du sie leicht ausfüllen können.

Bitte markiere zu jeder Zielgruppe diejenigen Kommunikationsmittel, mit denen diese Gruppe gut zu erreichen ist. Dazu klickst du einfach in das Feld, das du markieren möchtest. Wenn du alle gewünschten Felder markiert hast, klicke auf "Auswertung".
Hier geht's zur Tabelle Kommunikationsmittel!

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Hier gibt es das Ergebnis noch einmal in Textform.

Die Kommunikationsmittel, die sich an die Beschäftigten richten, werden durch eine Grundaussage – nämlich: „Holen wir uns 10 Prozent vom Kuchen!“ – aufeinander abgestimmt. Dieser Slogan geht mit einem Bild von einem leckeren Kuchenstück einher. Er kommt in allen Kommunikationsmitteln vor. Kuchenstück und Slogan werden von gut aufbereitetem Info-Material zu den Details der MitarbeiterInnen-Beteiligung (Finanzierung, Steuern etc.) begleitet.

Ein Zeitplan regelt die zeitliche Abstimmung der Kommunikationsmittel:
Bitte fahre mit der Maus über die roten Dreiecke, um die Zusatzinformationen zu lesen.
Hier geht's zur Tabelle Zeitplan!

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Hier gibt es das Ergebnis noch einmal in Textform.

Finanzierung

Die Werbekampagne wird keine zusätzlichen Ressourcen benötigen, sie kann im normalen Betrieb abgewickelt werden.

Ein großer Mehraufwand an Kommunikation ist erst nötig, wenn tatsächlich eine Krise „ausbricht“.

Umsetzung

Die einzelnen Kommunikationsmittel werden entsprechend dem Slogan gestaltet.

Als Beispiel dafür siehst du hier ein Bild:


Die Krise wird akut - was nun? Mitten in der Kampagne wurde der Betriebsrat allerdings von einer tatsächlichen Übernahme überrascht. Was dann geschah, erzählt ein Mitglied des Betriebsrats:



Audiobeitrag 6 (01:23 Min, 1.27 MB)

Hier geht es zur Textversion des sechsten Audios.

Kontrolle

In der Präventionsphase ist eine exakte Erfolgskontrolle möglich, in den anderen Phasen ist das schwieriger. Trotzdem ist es wichtig, zumindest alle Materialien zu dokumentieren, um aus einer Phase für die Kommunikation in der nächsten Phase zu lernen.

Die letzte Krisenphase sollte dazu genutzt werden, Lehren aus dem Erlebten zu ziehen – für die Kommunikation und für das Handeln als Betriebsrat im Allgemeinen.


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