Armut
Aus WIGBIT
Frauen leisten 70% der unbezahlten Arbeit - weltweit, erhalten 10% aller Einkommen und besitzen 1% des Vermögens.
In Österreich sind 876.000 Menschen oder 11% der Bevölkerung von Armutsgefährdung oder Armut betroffen. Ein überdurchschnittliches Armutsrisiko haben
- Menschen im ländlichen Raum,
- Frauen,
- selbständig Erwerbstätige,
- AlleinerzieherInnen und kinderreiche Familien,
- Menschen mit geringer Schuldbildung,
- PensionistInnen,
- Arbeitslose,
- Behinderte
- und MigrantInnen.
Besonders betroffen sind daher auch Kinder. Am wenigsten betroffen sind kinderlose Haushalte, Vollzeitbeschäftigte sowie MaturantInnen und AkademikerInnen. Die Armutsgefährdungsrate veränderte sich in den 90er Jahren in Österreich nicht wesentlich, ist 2001 aber auf 12% gestiegen.
Zwischen Armut und Gesundheit besteht ein deutlicher Zusammenhang: ärmere Menschen sind häufiger krank. Sozialleistungen sind ausgesprochen wichtig, denn sie vermindern die Anzahl der armen Personen in Österreich um mehr als die Hälfte.
Elisabeth Rolzhauser, Leiterin des ÖGB-Beratungszentrums, forderte im Rahmen einer Pressekonferenz am 17. Februar 2005 die Schaffung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung und den Einbezug aller atypisch Beschäftigten in den sozialen Schutz.
Originaltöne von der Pressekonferenz: Audio (MP3-Datei, 3 MB) Media:Rolzhauser.mp3</br>
Audio (MP3-Datei, 4.8 MB) Media:Talos.mp3</br>
Die ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits stellte anlässlich einer Pressekonferenz im Juni 2005 vor:
Audio (MP3, 1.44MB) Media:Csoergits.mp3</br>
Reichtum
Während Armut wesentlich genauer erforscht ist, gibt es bislang in Österreich keine umfassende Darstellung von Reichtum. Die Lohnsteuerstatistik wies 2002 knapp 125.000 ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen mit einem Bruttojahreseinkommen von mehr als 70.000 Euro (ca. 1 Million ATS) aus. Die "obersten Zehntausend" verdienten durchschnittlich 236.570 Euro pro Jahr.
Besteuerung der Arbeit
Die Steuern auf Arbeit machen 42% der Steuereinnahmen des Bundes aus, jene auf Konsum sogar 50%, jene auf Vermögen dagegen nur 6% der Gesamteinnahmen.
Die Höhe der Einkommen und ihre Besteuerung entscheidet allerdings wesentlich über die Möglichkeit zur Vermögensbildung. Ist Vermögen einmal vorhanden oder gebildet, entzieht es sich in Österreich fast vollständig steuerlicher Beiträge zum Allgemeinwohl.
Die Steuerlasten liegen zu 92% auf den Erwerbseinkommen und ihrer Verwendung. Zudem ist die Besteuerung von Einkommen aus Erwerbstätigkeit in Österreich von 1994 bis 2004 um das Drei- bis Vierfache stärker gestiegen als die Besteuerung von Vermögen.
Österreich im internationalen Vergleich
Ein internationaler Vergleich zeigt, dass Österreich nicht das vielzitierte Hochsteuerland ist:
- Der Einkommensteuerspitzensatz liegt (unter Berücksichtigung des steuerbegünstigten 13. und 14. Gehaltes) deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
- Österreich hat schon vor der Steuerreform 2005 die niedrigste effektive Unternehmensbesteuerung aller EU-15-Staaten.
- Die Umsatzsteuer liegt knapp über dem EU-15-Durchschnitt.
- Bei den Vermögenssteuern ist Österreich das mit Abstand günstigste Land der EU-15.
Angesichts in Österreich vorhandener Geld- und Sachvermögen von mehr als 2.100 Milliarden Euro und ihres minimalen Beitrages zum Allgemeinwohl ist es weder anständig noch notwendig, bei den Ärmsten und Schwächsten, ihren Einkommen und Pensionen zu sparen.
Quelle: Österreichischer Armuts- und Reichtumsbericht (764k) von Dr. Andreas Höferl und Mag. Paul Pöchhacker / Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP), 2004
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